Die US-Regierung greift massiv in den Anleihemarkt ein – und Gold profitiert davon direkt. US-Finanzminister Bessent verdoppelte die Anleiherückkäufe zum 23. August auf mindestens vier Milliarden Dollar pro Operation, umgerechnet 32 Milliarden Dollar pro Quartal.
Der Schritt soll die Rendite langlaufender Staatsanleihen drücken, die zuvor auf den höchsten Stand seit Juni 2007 gestiegen war. Gold reagierte prompt: Am Freitag legte der Preis um 1,9 Prozent zu und schloss bei 4.661,60 US-Dollar je Feinunze.
Bessents Rettungsversuch verpufft an den langen Laufzeiten
Das eigentliche Problem bleibt ungelöst. Die 30-jährige US-Rendite verharrte trotz des verdoppelten Rückkaufprogramms bei 5,31 Prozent, die 10-jährige zog zwischenzeitlich sogar wieder auf 4,737 Prozent an.
Die Zinszahlungen des Bundes erreichen mittlerweile eine Billion Dollar jährlich, während die Gesamtverschuldung erstmals die Marke von 40 Billionen Dollar überschritten hat. Genau diese Kombination aus wachsendem Schuldenberg und einem Finanzministerium, das offenbar keine überzeugende Antwort auf steigende Kapitalkosten findet, treibt Anleger in Gold als Absicherung.
Der Commerzbank-Rohstoffexperte Carsten Fritsch bringt es auf den Punkt: Das Vertrauen in den US-Dollar erodiere. Tatsächlich fiel der Dollar-Index parallel zur Ankündigung der Rückkäufe auf ein Dreimonatstief von 98,76 Punkten. Seit der ersten Ankündigung neuer Maßnahmen des Finanzministeriums am 20. August hat Gold rund 300 US-Dollar zugelegt.
Analysten sehen weiteres Potenzial
Wells Fargo Investment Institute hat seine Prognose entsprechend nachgezogen: Bis Jahresende erwarten die Analysten einen Goldpreis zwischen 4.900 und 5.100 Dollar je Unze, für Ende 2027 bereits 5.400 bis 5.600 Dollar. Der ehemalige Portfoliomanager André Stagge sieht auf Basis von drei Faktoren – Spannungen am US-Anleihemarkt, ein schwächerer Dollar sowie eine starke saisonale Nachfrage – Raum für eine weitere Aufwärtsbewegung.
Untermauert wird die strukturelle Nachfrage durch die Notenbanken selbst: Im zweiten Quartal 2026 kauften Zentralbanken weltweit 288,9 Tonnen Gold, ein Plus von 62 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Diese offizielle Nachfrage verleiht der Rally eine Basis, die über kurzfristige Dollar-Schwankungen hinausreicht.
Jackson Hole als nächster Prüfstein
Für die kommenden Tage richtet sich der Blick auf das Notenbank-Symposium in Jackson Hole Ende August. Die dortigen geldpolitischen Signale dürften mitentscheiden, ob die Dollar-Schwäche anhält und damit den Rückenwind für Gold verlängert.
Mit einem Abstand von rund 2,4 Prozent zum 200-Tage-Durchschnitt notiert der Goldpreis derzeit deutlich über seiner mittelfristigen Trendlinie – ein Zeichen dafür, wie sehr die jüngsten fiskalpolitischen Turbulenzen die Nachfrage nach dem Edelmetall beschleunigt haben.
Sollte sich die Skepsis gegenüber der US-Fiskalpolitik verfestigen, dürfte Gold seine Rolle als bevorzugter sicherer Hafen weiter ausbauen. Die verdoppelten Anleiherückkäufe zeigen bislang wenig Wirkung auf die Zinsstruktur – ein Umstand, der die Diskussion um Vertrauen in Dollar und Staatsanleihen in den kommenden Wochen weiter befeuern dürfte.
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