Der Goldpreis notiert am Samstag bei 4.430,09 Dollar je Feinunze und hat sich damit von den Verlusten der vergangenen Woche wieder etwas erholt. Auslöser der jüngsten Erholung sind dovische Kommentare der US-Notenbank, die die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Zinserhöhung im September deutlich gedämpft haben.
Fed-Vertreter sorgen für Stimmungswechsel
Am Freitag hatte Fed-Gouverneur Christopher Waller signalisiert, dass er angesichts nachlassenden Inflationsdrucks gegen eine Zinserhöhung stimmen würde. Die Markterwartung für eine September-Anhebung fiel daraufhin auf 50 Prozent. Bereits am Donnerstag hatte der Präsident der New Yorker Fed, John Williams, bestätigt, dass der Inflationsdruck nachlässt, weil Tarifeffekte allmählich verblassen.
Diese Aussagen markieren eine deutliche Kehrtwende gegenüber der Stimmung vom Dienstag. Damals hatte Fed-Chair Kevin Warsh mit hawkischen Kommentaren für einen Kursrutsch gesorgt: Der Goldpreis fiel auf 4.325 Dollar, während die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen auf 4,79 Prozent kletterte und der Markt eine 70-prozentige Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung einpreiste. Die Volatilität dieser Woche zeigt, wie sensibel der Goldmarkt derzeit auf jede Nuance in der Notenbank-Kommunikation reagiert.
Auf Monatssicht steht dennoch ein Plus von 4,3 Prozent zu Buche – ein Hinweis darauf, dass die grundsätzliche Aufwärtstendenz trotz der Schwankungen intakt bleibt.
Zentralbanken bleiben verlässliche Käufer
Unterstützung erhält der Goldpreis von der anhaltend robusten Nachfrage der Notenbanken. Im laufenden Jahr haben die Zentralbanken bislang rund 130 Tonnen Gold gekauft, allein im September griffen China mit 20 Tonnen und Polen mit 8 Tonnen zu. Eine Umfrage unter 74 Zentralbanken im Juni ergab, dass 45 Prozent von ihnen weitere Goldkäufe planen – der höchste seit 2018 erfasste Anteil.
Auch auf der Nachfrageseite insgesamt zeigt sich Stabilität: Der World Gold Council bezifferte die globale Goldnachfrage im zweiten Quartal auf 1.268,9 Tonnen, trotz des zwischenzeitlichen Preisrückgangs. Diese strukturelle Nachfrage von Notenbanken und institutionellen Käufern dürfte den Markt auch bei kurzfristigen Rückschlägen stützen.
Blick auf die technische Lage
Aus charttechnischer Sicht bewegt sich der Goldpreis derzeit knapp über seinem gleitenden 200-Tage-Durchschnitt, nachdem er sich zuvor deutlich davon entfernt hatte – ein Zeichen dafür, dass sich die Korrektur seit dem Allzeithoch im Januar allmählich stabilisiert.
Nach dem Rekordhoch von 5.598,58 Dollar im Januar war der Kurs bis Anfang Juni auf ein Tief von 3.942 Dollar gefallen, ehe eine Erholung einsetzte. Diese Berg-und-Tal-Fahrt verdeutlicht, wie stark der Goldpreis derzeit zwischen geldpolitischer Unsicherheit und struktureller Nachfrage hin- und hergerissen wird.
Für die kommenden Wochen dürfte entscheidend bleiben, wie sich weitere Fed-Vertreter vor der Zinsentscheidung im September äußern. Jede neue Aussage aus dem Offenmarktausschuss hat das Potenzial, die fragile Balance am Goldmarkt erneut zu verschieben.
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