Gold: 4.161 USD — tiefster Stand seit März

Gold fällt auf tiefsten Stand seit März, obwohl die USA Luftangriffe gegen den Iran fliegen. Steigende Ölpreise und Zinserwartungen belasten das Edelmetall.

Auf einen Blick:
  • Gold fällt unter 4.200 USD
  • US-Luftangriffe auf Iran
  • Ölpreis steigt über 91 USD
  • Fed-Zinserhöhung wahrscheinlicher

Der sichere Hafen versagt. Trotz US-Militärschlägen gegen den Iran fällt Gold auf den tiefsten Stand seit fast drei Monaten — ein ungewöhnlicher Befund, der mehr über Zinspolitik verrät als über Geopolitik.

In London notierte die Feinunze am Mittwoch zeitweise bei 4.161,60 USD. Das entspricht einem Tagesrückgang von rund zwei Prozent. Die psychologisch wichtige Marke von 4.200 USD ist damit gebrochen.

Warum Krieg den Goldpreis diesmal drückt

Am 9. Juni führten die USA Luftangriffe gegen den Iran durch. Auslöser war der Abschuss eines Apache-Hubschraubers nahe der Straße von Hormus. Brent-Öl sprang auf über 91 USD — Gold fiel.

Der Grund: Steigende Ölpreise heizen die Inflation an. Das erhöht den Druck auf die Fed, die Zinsen länger hoch zu halten. Für Gold, das keine Zinsen abwirft, bedeutet das steigende Opportunitätskosten. Marktbeobachter sehen genau diesen Mechanismus als Haupttreiber des aktuellen Rücksetzers.

Hinzu kommt: Marktteilnehmer preisen die Wahrscheinlichkeit einer Fed-Zinserhöhung bis Dezember 2026 mit über 74 Prozent ein. Am Donnerstag folgen die US-Inflationsdaten für Mai — Konsenserwartung liegt bei 4,2 Prozent. Sollten die Zahlen höher ausfallen, dürfte der Verkaufsdruck zunehmen.

ETF-Abflüsse verstärken den Druck

Institutionelle Investoren ziehen Kapital aus Gold-ETFs ab. Das erhöht den Verkaufsdruck am Spotmarkt direkt. Seit dem Rekordhoch von 5.595 USD im Januar 2026 hat sich die Stimmung deutlich gedreht.

Ein festerer US-Dollar verschärft die Lage. Da Gold in Dollar gehandelt wird, verteuert eine starke US-Währung das Metall für Käufer außerhalb des Dollarraums. Der Euro stand am Mittwoch bei rund 1,1545 USD. Außerdem wartet der Markt auf die EZB-Zinsentscheidung am Donnerstag — erwartet wird eine Erhöhung um 25 Basispunkte.

Technische Unterstützung gerissen

Mit dem Rutsch auf den tiefsten Stand seit dem 23. März hat Gold wichtige Unterstützungszonen durchbrochen. Bei anhaltendem Inflationsdruck sehen Marktbeobachter das nächste Kursziel bei 4.000 USD pro Unze.

Bergbauunternehmen planen derweil langfristig weiter. In Nevada läuft die Intensivierung des Santa-Fe-Projekts, Produktionsstart ist für 2027 geplant. Vista Gold will die Mount-Todd-Mine in Australien bis 2030 wieder in Betrieb nehmen. Auf den aktuellen Spotpreis haben diese Projekte keinen Einfluss — sie sind eine Wette auf den nächsten Zyklus.

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