Der Goldpreis hat die Woche mit einem Rückschlag beendet, doch der eigentliche Prüfstein für den Markt liegt noch vor ihm. Mit dem Schlusskurs von 4.454,60 US-Dollar je Feinunze am Freitag verlor Gold binnen sieben Tagen 3,2 Prozent. Entscheidender als der Rückblick ist für Anleger nun der Terminkalender der kommenden zwei Wochen: Am 11. September stehen neue US-Inflationsdaten an, am 15. und 16. September tagt die Fed erneut.
Diese beiden Termine dürften darüber entscheiden, ob die seit der Rede von Fed-Chef Kevin Warsh in Jackson Hole gestiegene Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung sich bestätigt oder wieder abflaut.
Die Wahrscheinlichkeit für eine Zinsanhebung im September kletterte laut CME FedWatch von 35 auf über 55 Prozent, andere Berechnungen nennen Werte zwischen 57 und 60 Prozent. Für Gold als zinslosen Vermögenswert ist das eine unmittelbare Belastung, weil höhere Zinsen die Opportunitätskosten des Haltens von Edelmetall erhöhen.
Edelmetalle reagieren unterschiedlich stark
Bemerkenswert ist, wie unterschiedlich die einzelnen Edelmetalle auf die veränderte Zinserwartung reagiert haben. Während Gold auf Wochensicht 3,2 Prozent verlor, fiel Silber deutlich stärker um 3,8 Prozent, an einem einzelnen Handelstag sogar um 4,15 Prozent auf 66,58 US-Dollar je Feinunze.
Platin gab in der Woche rund 3,0 Prozent ab. Palladium bildete mit einem Plus von 5,3 Prozent die auffällige Ausnahme im Edelmetallsektor. Diese Divergenz deutet darauf hin, dass Anleger derzeit stärker zwischen den einzelnen Metallen differenzieren, statt pauschal auf „sicheren Hafen“ zu setzen.
Trotz des jüngsten Rücksetzers bleibt die Gesamtbilanz für Gold beachtlich: Der Monat August brachte laut mehreren Berechnungen ein Plus zwischen 11 und über 13 Prozent, auf Jahressicht steht ein Zuwachs von 30 Prozent zu Buche. Der aktuelle Kurs liegt noch rund 5,7 Prozent über dem 50-Tage-Durchschnitt von 4.214,49 US-Dollar, was zeigt, dass der mittelfristige Aufwärtstrend trotz der Korrektur intakt bleibt.
Politisches Umfeld erhöht Unsicherheit
Zur Verunsicherung trägt auch das politische Umfeld rund um die US-Notenbank bei. Das Weiße Haus erneuerte seinen Versuch, Fed-Gouverneurin Lisa Cook zu entlassen – ein Vorgang, der die Unabhängigkeit der Notenbank infrage stellt und an den Finanzmärkten grundsätzlich als Risikofaktor gilt.
Zugleich sorgt sich die europäische Zentralbanker-Riege um weitere Spannungen mit den USA, nachdem das US-Finanzministerium Anfang August ohne Vorwarnung am Yen-Markt intervenierte.
US-Finanzminister Scott Bessent bezeichnete den Schritt lediglich als Umschichtung, doch die Sorge vor weiteren unangekündigten Eingriffen bleibt bestehen, auch mit Blick auf mögliche Änderungen bei den Fed-Swap-Linien.
Parallel dazu verdoppelt das US-Finanzministerium seine Rückkäufe langlaufender Staatsanleihen ab dem 9. September. Analysten warnen, dass die Rendite dreißigjähriger US-Anleihen bei einem rein strukturell ausgerichteten Kurs der Fed auf 5,5 Prozent steigen könnte. Steigende Anleiherenditen konkurrieren traditionell mit Gold um die Gunst konservativer Anleger.
Für den Goldmarkt bedeutet diese Gemengelage: Die kommenden zwei Wochen mit Inflationsdaten und Fed-Entscheid dürften richtungsweisender sein als die zurückliegende Korrektur. Bis dahin bewegt sich der Preis in einem Spannungsfeld zwischen strukturell hoher Nachfrage und der Aussicht auf eine restriktivere US-Geldpolitik.
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