Die USA fliegen bereits die siebte Nacht in Folge Luftangriffe gegen den Iran, in der Straße von Hormus meldeten die iranischen Revolutionsgarden am Samstag die Explosion zweier Öltanker durch Minen, das US-Militär dementierte. Kuwait berichtete von einem iranischen Angriff auf ein Kraftwerk und eine Entsalzungsanlage, der Ölpreis schoss daraufhin am Freitag um 4,6 Prozent auf 88,10 US-Dollar je Barrel nach oben. Trotz dieser Nachrichtenlage tendiert Gold seit Wochen abwärts.
Zum Handelsschluss am Freitag notierte die Feinunze bei 4.021,30 US-Dollar, ein Tagesplus von 1,03 Prozent. Auf Sicht von 30 Tagen steht dennoch ein Minus von 5,98 Prozent, und zum 52-Wochen-Hoch vom 29. Januar klafft eine Lücke von 28,53 Prozent. Der jüngste Rebound ändert also wenig am übergeordneten Abwärtstrend, der den Markt seit dem Jahreswechsel begleitet.
Fed-Falken bremsen den sicheren Hafen
Der Grund für die Schwäche liegt weniger in geopolitischer Sorglosigkeit als in der Geldpolitik. Die Cleveland-Fed-Präsidentin Beth Hammack warnte, anhaltend hohe Inflation sei die größere Gefahr und rechnet mit einer Kernrate der persönlichen Konsumausgaben von rund 3,3 Prozent für Juni. Die Dallas-Fed-Präsidentin Logan sprach sich für „moderat höhere Zinsen“ aus, Fed-Vize Jefferson deutete an, die Geldpolitik überprüfen zu müssen, sollte die Inflation nicht bald sinken. Fed-Chef Kevin Warsh selbst hielt sich in seiner Anhörung vor dem Kongress bedeckt, sagte aber, man habe „die Werkzeuge“, um notfalls zu handeln.
Die US-Verbraucherpreise lagen im Juni bei 3,5 Prozent im Jahresvergleich, nach 4,2 Prozent im Vormonat – ein Rückgang, der die Falken in der Notenbank bislang aber nicht überzeugt. Der Markt preist derzeit eine Wahrscheinlichkeit von 58 Prozent für eine Zinserhöhung im September und 73 Prozent für Dezember ein. Höhere Zinsen verteuern das Halten von Gold, das keine laufenden Erträge abwirft, und stärken zugleich den Dollar – beides drückt auf den Preis, selbst wenn Öl und Kriegsrisiko gegenläufig wirken.
Analysten uneins über die nächste Etappe
Goldman Sachs hält trotz der aktuellen Schwäche an seiner Prognose von 4.900 US-Dollar je Unze zum Ende des Jahres 2026 fest. Die Bank verweist auf anhaltende Zentralbankkäufe: Allein im Mai erwarben Notenbanken 81 Tonnen Gold, angeführt von China. Goldman rechnet für den weiteren Jahresverlauf mit monatlichen Käufen von rund 50 Tonnen, für 2027 mit 40 Tonnen. Der aktuelle Rückgang gilt dem Institut zufolge als kurzfristiger, durch die Fed-Rhetorik ausgelöster Gegenwind, während mittelfristig weiter Aufwärtsrisiken überwiegen.
Bank of America ist vorsichtiger geworden und senkte ihre Jahresendprognose für 2026 auf 4.360 US-Dollar, hält aber am Fernziel von 6.000 US-Dollar für 2027 fest. Ihr technischer Analyst Paul Ciana verweist auf ein Ende Juni entstandenes „Death Cross“ im Chartbild, das nach seiner Einschätzung noch 40 bis 50 weitere Handelstage mit Abwärtsdruck signalisieren könnte – im schlechtesten Fall bis auf 3.600 US-Dollar. Gleichwohl empfiehlt die Bank, Rückschläge unterhalb von 4.000 Dollar zum Einstieg zu nutzen und bei 3.700 bis 3.600 Dollar stärker zuzukaufen.
Privatanleger kaufen die Schwäche
Auch prominente Privatinvestoren positionieren sich gegenläufig zum Markttrend. Wie BeInCrypto berichtete, hat der Investor Robert Kiyosaki während des jüngsten Rückgangs sowohl Gold als auch Silber zugekauft. Der Goldpreis war zu diesem Zeitpunkt bereits rund 26 Prozent von seinem Hoch entfernt, Silber verlor im selben Zeitraum von 118 auf 56 US-Dollar je Unze. Kiyosaki begründete seinen Einstieg mit einem grundsätzlichen Misstrauen gegenüber Zentralbanken und berief sich auf den Investor Jim Rogers, der langfristig weiter steigende Preise für beide Metalle erwartet – wenngleich mit heftigen Rücksetzern auf dem Weg dorthin.
Für die kommenden Wochen bleibt der Markt damit in einem Spannungsfeld: Auf der einen Seite ein reales Kriegsrisiko im Nahen Osten mit steigenden Ölpreisen, auf der anderen Seite eine Fed, die eher über Zinserhöhungen als über Senkungen spricht. Die Entscheidung der Notenbank Ende Juli dürfte die kurzfristige Richtung vorgeben.
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