Der Goldpreis pendelt in dieser Woche zwischen Nahost-Angst und Zinsfurcht. Am Dienstag schloss die Feinunze bei 4.082,70 US-Dollar, ein Plus von 1,77 Prozent gegenüber dem Vortag. Auf Monatssicht steht dennoch ein Minus von 3,02 Prozent zu Buche, und zum bisherigen Jahreshoch vom 29. Januar bei 5.626,80 Dollar fehlen dem Edelmetall weiterhin rund 27,4 Prozent. Der Markt sucht sichtlich nach einer Richtung zwischen geopolitischer Risikoprämie und der Aussicht auf steigende US-Zinsen.
Nahost-Eskalation treibt die Nachfrage nach dem sicheren Hafen
Der Auslöser für die jüngste Kaufwelle liegt im Nahen Osten. Die USA griffen den Iran in der Nacht zum 22. Juli bereits die elfte Nacht in Folge an, während in Teheran Explosionen und Flugabwehr-Aktivität gemeldet wurden. Der Iran wiederum attackierte US-Stützpunkte in Bahrain, Kuwait und Jordanien. Zusätzliche Nervosität kam durch die Huthi-Miliz, die eine Seeblockade gegen Saudi-Arabien ankündigte – mehrere Öltanker mit saudischem Rohöl für China und Indien kehrten daraufhin im Roten Meer um. Die Kriegskosten werden mittlerweile auf 37,5 Milliarden Dollar beziffert, Vermittler aus Katar, Ägypten und Pakistan brachten zugleich einen zehntägigen Waffenstillstandsvorschlag ins Spiel.
Die Unsicherheit trieb parallel den Ölpreis nach oben: Brent kletterte am 22. Juli um 1,1 Prozent auf 92,01 Dollar, WTI um 1,0 Prozent auf 85,16 Dollar. Für Gold bedeutete das am 21. Juli einen Sprung auf 4.105 Dollar je Unze, bevor der Preis am Folgetag zeitweise wieder auf rund 4.052 Dollar zurückfiel. Am Nachmittag des 22. Juli notierte Gold im Spot-Handel bei etwas über 4.078 bis 4.082 Dollar – die Schwankungsbreite von rund 50 Dollar innerhalb eines Handelstages zeigt, wie nervös der Markt derzeit reagiert.
Starker Dollar und Zinserwartungen bremsen die Rally
Gegenspieler der geopolitischen Kaufimpulse ist die US-Geldpolitik. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen erreichte am 21. Juli mit 4,628 Prozent den höchsten Schlussstand seit zwei Monaten, während der Dollar-Index über die Marke von 101 kletterte. Der Markt preist mittlerweile eine Wahrscheinlichkeit von 68 Prozent für eine Fed-Zinserhöhung im September ein, bis zum Jahresende steigt diese Einschätzung sogar auf 88 Prozent. Ein starker Dollar und steigende Anleiherenditen erhöhen die Opportunitätskosten für das zinslose Edelmetall und erklären, warum Gold trotz Kriegsrisiken bislang keinen nachhaltigen Ausbruch nach oben geschafft hat.
Bereits Ende Juni hatte sich dieser Mechanismus gezeigt: Der Goldpreis war unter die Marke von 4.100 Dollar gerutscht, nachdem Banken angesichts erwarteter Fed-Zinsschritte im September, Oktober und Dezember ihre Margen im Edelmetallhandel erhöht hatten. Auch deutsche Bundesanleihen gaben zuletzt nach, belastet von den steigenden Ölpreisen – der Euro-Bund-Future fiel um 0,07 Prozent auf 124,58 Punkte bei einer Rendite von 3,16 Prozent für zehnjährige Papiere.
Analysten uneins, Zentralbanken bleiben treue Käufer
Die Einschätzungen zur weiteren Entwicklung könnten unterschiedlicher kaum sein. Wells Fargo bleibt langfristig optimistisch und nennt ein Kursziel von 5.300 bis 5.500 Dollar je Unze bis Ende 2026, gestützt auf anhaltende Nahost-Spannungen und Zentralbankkäufe. Dinh The Hien hält dagegen einen Rückgang bis auf 3.500 Dollar bis Jahresende für möglich.
Strukturell stützend wirkt laut Schroders die Nachfrage asiatischer Zentralbanken, die auch bei fallenden Preisen weiter kauften – im Juni etwa 15 Tonnen zu einem Durchschnittspreis von 4.250 Dollar. Westliche Investoren dagegen verkauften in diesem Zeitraum, was zum zwölfprozentigen Preisrückgang im Juni beitrug. Chinas Notenbank PBoC hält nach Schroders-Berechnung bei einem Preisniveau von 4.200 Dollar erst 8,3 Prozent ihrer Reserven in Gold; ein Zielwert von 30 Prozent würde beim aktuellen Kauftempo rund 33 Jahre in Anspruch nehmen – ein Hinweis darauf, dass die strukturelle Nachfrage aus Fernost nach Einschätzung der Analysten noch lange nicht ausgeschöpft ist.
In Vietnam spiegelte sich die globale Bewegung in den Inlandspreisen: SJC-Goldbarren notierten am 22. Juli zwischen 143,4 und 146,4 Millionen Dong je Unze, ein Plus von 400.000 Dong gegenüber dem Vortag – bei einer Differenz zum Weltmarktpreis von umgerechnet gut 16 Millionen Dong je Unze.
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