Der Goldpreis notiert auf dem tiefsten Stand seit sieben Monaten — und ausgerechnet jetzt kaufen Zentralbanken so aggressiv wie selten zuvor. Dieser Widerspruch prägt das Bild des Edelmetalls zum Start in die zweite Jahreshälfte 2026.
Fed-Druck drückt den Preis
Am 1. Juli fiel Gold auf rund 3.943 US-Dollar. Das ist ein Rückgang von über elf Prozent allein im Juni.
Haupttreiber ist die US-Zinspolitik. Cleveland-Fed-Präsidentin Hammack sendete zuletzt hawkische Signale. Laut FedWatch-Daten liegt die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im September nun bei etwa 67 Prozent. Ein starker Dollar-Index über der Marke von 100,50 verstärkt den Druck zusätzlich.
Hinzu kommen die gescheiterten Friedensgespräche zwischen den USA und dem Iran. Das Ausbleiben einer Einigung schürt Inflationssorgen — und die befeuern wiederum die Erwartung weiterer Zinsschritte. Steigende Anleiherenditen machen Gold als zinsloses Asset weniger attraktiv.
Zentralbanken kaufen trotzdem
Auf institutioneller Ebene sieht die Welt anders aus. Eine aktuelle OMFIF-Umfrage unter 74 Zentralbanken zeigt: 82 Prozent der Institute halten physisches Gold. Im Vorjahr waren es 71 Prozent. Rund 30 Prozent planen, ihre Bestände in den nächsten ein bis zwei Jahren weiter aufzustocken.
China liefert die eindrucksvollsten Zahlen. Im Mai 2026 importierte die Volksrepublik rund 163 Tonnen Gold — der höchste Wert seit März 2024. In den ersten fünf Monaten des Jahres summierten sich die Importe auf 692 Tonnen, ein Plus von 76 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Als Motive nennen die Institutionen Absicherung gegen geopolitische Risiken und Diversifikation weg vom US-Dollar.
Technisches Bild und Ausblick
Kurzfristig bleibt die Charttechnik bärisch. Am Markt wurde ein „Death Cross“ registriert. Der RSI notiert mit rund 33 nahe dem überverkauften Bereich. Die Unterstützung liegt bei etwa 3.942 US-Dollar. Fällt diese Marke, rücken 3.900 und anschließend 3.850 US-Dollar ins Blickfeld. Auf der Oberseite bildet die Zone zwischen 4.100 und 4.191 US-Dollar den nächsten Widerstand.
Goldman Sachs hält trotz der Korrektur am Jahresendziel von 4.900 US-Dollar fest. Die Begründung: strukturelle Zentralbankkäufe von monatlich rund 60 Tonnen. Die nächste wichtige Weichenstellung liefern die US-Arbeitsmarktdaten. Die Nonfarm Payrolls dürften zeigen, ob die Fed tatsächlich im September die Zinsen erhöht — und damit entscheiden, ob Gold weiter unter Druck bleibt oder sich stabilisiert.
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