Gold fällt, obwohl der Iran-Konflikt eskaliert. Das ist ungewöhnlich für den sicheren Hafen. Am Montag verliert die Feinunze bis zu 1,4 Prozent und rutscht auf rund 4.060 US-Dollar. Damit macht der Goldpreis den gesamten Wochengewinn der Vorwoche wieder wett.
Widersprüchliche Signale zur Straße von Hormus
Die USA und der Iran liefern sich übers Wochenende neue Angriffe. Das US-Zentralkommando bestätigt bereits die vierte Angriffswelle innerhalb einer Woche. Auslöser war ein iranischer Angriff auf ein Containerschiff unter zyprischer Flagge.
Die iranischen Revolutionsgarden erklären die Straße von Hormus für gesperrt. Sie begründen den Schritt mit einer angeblich unerlaubten Route des Schiffs. Kein Schiff werde durchgelassen, bis die USA ihre Einmischung beenden, so die Garden.
Die USA widersprechen dieser Darstellung umgehend. Über den tatsächlichen Status der Wasserstraße herrscht weiterhin Verwirrung. Durch die Meerenge fließt weltweit etwa ein Fünftel der Ölmenge.
Zinserwartungen drücken auf Gold
Normalerweise treibt Kriegsangst den Goldpreis nach oben. Diesmal wirkt die Eskalation als Bremse. Der Grund liegt beim Ölpreis.
Öl verteuert sich nach der Eskalation um rund 3 Prozent. Anleger befürchten Störungen beim Transport durch die Meerenge. Steigende Energiepreise schüren neue Inflationssorgen.
Das verschiebt die Zinserwartungen an die US-Notenbank. Eine restriktivere Geldpolitik macht zinsloses Gold weniger attraktiv. Notenbanker äußern sich zuletzt besorgter über die Inflation, die Sorgen um den Arbeitsmarkt treten in den Hintergrund.
Die nächste Fed-Sitzung findet am 28. und 29. Juli statt. Am Dienstag veröffentlichen die USA den Verbraucherpreisindex. Zusätzlich tritt Fed-Chef Kevin Warsh erstmals vor dem Kongress auf.
Analysten sehen begrenztes Abwärtsrisiko
Große Banken erwarten keinen dauerhaften Abwärtstrend. HSBC passte vergangene Woche ihre Prognosen an. Die Bank glaubt nicht, dass iranbezogene Rückgänge von Dauer sind.
„Der Konflikt hat weiterhin die Kraft, Gold nach unten zu drücken. Aber wir glauben nicht, dass iranbezogene Rückgänge für sich genommen von Dauer sein werden“, erklärt HSBC.
Die Bank verweist zudem auf strukturelle Stützen. Sorgen um Haushaltsdefizite, wirtschaftliche Instabilität und hohe Staatsschulden bleiben bestehen. Diese Faktoren stützten den Goldpreis bereits vor dem Konflikt.
Charttechnik bleibt angeschlagen
Auch das technische Bild hat sich verschlechtert. Der Wochenchart zeigt eine Kopf-Schulter-Formation. Die Nackenlinie verläuft bei 4.200 Dollar, Gold hat sie bereits unterschritten.
Für eine Erholung braucht es einen klaren Ausbruch nach oben. Steigt Gold nachhaltig über 4.200 bis 4.220 Dollar, wächst die Chance auf eine breitere Erholung. Das nächste Ziel wäre der 200-Tage-Durchschnitt bei etwa 4.491 Dollar.
Am Dienstag entscheiden die US-Inflationsdaten über die nächste Kursrichtung. Zusätzlich beobachten Anleger die Kongress-Anhörung von Kevin Warsh genau. Solange der Status der Straße von Hormus unklar bleibt, dürfte die Schwankungsbreite bei Gold, Öl und Dollar hoch bleiben.
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