Das US-Handelsministerium hat eine weitreichende Vereinbarung mit GLOBALFOUNDRIES getroffen, die das Unternehmen enger an die staatliche Industriepolitik bindet. Im Rahmen des CHIPS Act erhält der Halbleiterhersteller eine Förderung in Höhe von bis zu 300 Millionen US-Dollar. Im Gegenzug erwirbt die US-Regierung eine Minderheitsbeteiligung an dem Unternehmen, die einem Anteil von etwa einem Prozent entspricht. Diese Beteiligung wird bei einer Marktkapitalisierung von 23,73 Milliarden Euro auf einen Wert von rund 275,7 Millionen US-Dollar taxiert.
Beschleunigung der Silizium-Photonik
Die Fördermittel sind gezielt für die Forschung und Entwicklung im Bereich der sogenannten Silizium-Photonik und der „Co-Packaged Optics“ vorgesehen. Diese Technologie gilt als entscheidender Baustein für die künftige KI-Infrastruktur, da sie die Datenübertragung zwischen Chips erheblich beschleunigen und effizienter gestalten kann. Laut CEO Tim Breen ist die Silizium-Photonik essenziell, um die massiven Anforderungen moderner Rechenzentren zu bewältigen. Die staatliche Unterstützung soll die Forschungsarbeiten in diesem Bereich um zwei bis drei Jahre beschleunigen.
Die Förderung in Höhe von 300 Millionen US-Dollar ist finanziell signifikant: Sie entspricht dem 1,29-fachen des freien Cashflows, den GlobalFoundries im ersten Quartal mit 233 Millionen US-Dollar ausgewiesen hatte. Es ist nicht die erste staatliche Unterstützung für das Unternehmen; in einem früheren Award erhielt der Konzern bereits 375 Millionen US-Dollar für die Forschung an Quantencomputern.
Industriepolitik unter Beobachtung
Die Maßnahme ist Teil eines größeren Pakets des Handelsministeriums, das am Mittwoch angekündigt wurde und insgesamt 874 Millionen US-Dollar an sieben Unternehmen vergibt. Damit sollen die heimische Chip-Produktion und die KI-Fähigkeiten gestärkt werden. Handelsminister Howard Lutnick betonte, dass diese Investitionen die nationalen Kapazitäten festigen und gut bezahlte Arbeitsplätze schaffen sollen. Neben GlobalFoundries gehören unter anderem Kepler und Multibeam zu den Empfängern der Mittel.
Dieses Vorgehen, bei dem der Staat direkte Aktienanteile als Gegenleistung für Fördergelder verlangt, stößt jedoch auch auf Kritik. Das Cato Institute merkte an, dass die Regierung damit gleichzeitig als Regulator, Kunde, Finanzier und Aktionär auftritt, was zu Marktverzerrungen führen könnte. Mit den neuen Abschlüssen hält die US-Regierung nun Beteiligungen an insgesamt 30 Unternehmen der Branche, darunter auch ein Zehn-Prozent-Anteil am Branchenriesen Intel.
Quartalszahlen und Marktlage
Für Anleger steht bereits der nächste wichtige Termin fest: Am Mittwoch wird GlobalFoundries die Ergebnisse für das zweite Quartal vorlegen. Analysten erwarten einen Umsatz von 1,76 Milliarden US-Dollar sowie einen Gewinn pro Aktie von 0,44 US-Dollar. Die Aktie schloss am Freitag bei einem Kurs von 44,00 €.
Trotz der Nachrichten über die staatliche Förderung steht das Papier unter Druck. In den letzten 30 Tagen verzeichnete der Kurs einen Rückgang von 35,20 %. Die kommenden Geschäftszahlen werden zeigen müssen, ob das Unternehmen die hohen Erwartungen im Bereich der KI-Hardware erfüllen kann, während es gleichzeitig die massiven Investitionskosten für neue Technologien schultern muss. Neben den technischen Fortschritten bei der Silizium-Photonik wird der Markt vor allem darauf achten, wie sich die staatliche Beteiligung auf die langfristige strategische Freiheit des Unternehmens auswirkt.
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