Der Wasserstoff-Sektor gleicht aktuell einem Paradoxon. Während Unternehmen weltweit neue Großprojekte und technische Durchbrüche melden, stürzen die Kurse der Branche ab. Der Global X Hydrogen ETF spiegelt diese Zerreißprobe wider.
Am Freitag rutschte der ETF um 3,70 Prozent ins Minus und schloss bei 9,36 Euro. Innerhalb eines Monats verlor das Papier damit über 16 Prozent an Wert. Der Abwärtstrend hat sich in den vergangenen Handelstagen sichtlich beschleunigt.
Vom 52-Wochen-Hoch bei 16,33 Euro hat sich der Kurs weit entfernt. Der Abschlag beträgt inzwischen fast 43 Prozent. Damit notiert der Fonds deutlich unter seinen langfristigen Durchschnittslinien.
Offensivschub aus Asien
In China und Japan drückt die Industrie beim Markthochlauf aufs Tempo. Weichai Power präsentierte einen schweren Wasserstoffmotor, der die Emissionsprüfungen erfolgreich bestand. Die japanische Kanadevia Group investiert parallel dazu in die Serienfertigung von Elektrolyse-Stacks und Projekte im Oman. Indes fördert Chinas neuer Klimaplan den Einsatz des Gases in der Schwerindustrie. Dazu sicherte sich Powergrid in Indien den Zuschlag für ein neues Übertragungssystem.
Europa setzt auf Infrastruktur
In Europa entstehen ebenfalls neue Kapazitäten für die Energiewende. Air Liquide baut in den Niederlanden an einem 200-Megawatt-Elektrolyseur für industrielle Abnehmer. Airbus und MTU Aero Engines gründeten im Juli ein Gemeinschaftsunternehmen für Brennstoffzellen-Antriebe. Diese Technologie soll 2027 in den regulären Flugbetrieb gehen.
Der US-Konzern Air Products liefert derweil gemischte Signale. Das Unternehmen zieht sich aus mehreren Projekten zurück, sichert sich aber den Vertrieb für grünes Ammoniak aus Saudi-Arabien. Diese Portfolio-Bereinigung trifft auf einen Markt, der technisch überverkauft wirkt. Der Relative-Stärke-Index (RSI) markiert mit 31,4 einen niedrigen Wert.
Das aktuelle Kursniveau liegt signifikant unter den gleitenden Durchschnitten der letzten 50 und 100 Tage. Ob die fundamentale Projektpipeline den technischen Abwärtstrend stoppen kann, entscheidet sich an den kommenden Unterstützungszonen. Anleger blicken nun auf die operative Umsetzung der angekündigten Joint Ventures im Jahr 2027.
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