Glencore und Rio Tinto: Die 140-Milliarden-Dollar-Wette

Rio Tinto und Glencore verhandeln über einen Zusammenschluss zum weltgrößten Bergbaukonzern. Kupfer und die Abkehr von Kohle stehen im Fokus der strategischen Überlegungen.

Auf einen Blick:
  • Zweiter Anlauf für Mega-Fusion nach 2024
  • Kupfer als strategischer Treiber der Energiewende
  • Glencore sucht Lösung für Kohle-Geschäft
  • Komplexe Integration und Bewertung als Hürden

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

es ist ein Deal, der die Bergbauindustrie seit Jahren beschäftigt. Jetzt kommt er wieder auf den Tisch. Rio Tinto und Glencore verhandeln erneut über einen Zusammenschluss. Die beiden Konzerne würden den größten Bergbaukonzern der Welt erschaffen. Die Marktkapitalisierung läge bei über 140 Milliarden Dollar.

Was macht diesen Deal so besonders? Es geht um weitaus mehr als nur um Größe. Im Zentrum steht ein Metall, das die Zukunft prägen wird. Und es geht um ein Erbe aus der Vergangenheit, das beide Seiten unterschiedlich belastet.

Der zweite Anlauf nach gescheiterten Gesprächen

Die aktuellen Verhandlungen sind nicht der erste Versuch. Bereits im Oktober und November 2024 saßen die Chefs beider Unternehmen zusammen. Die Gespräche scheiterten damals. Doch jetzt gibt es einen neuen Anlauf. Die Financial Times berichtete Anfang Januar 2026 über die Wiederaufnahme der Fusionsgespräche.

Die Börse reagierte prompt. Die Glencore-Aktie legte um über elf Prozent zu. Investoren rechnen mit einer Prämie für Glencore-Aktionäre. Rio Tinto verlor hingegen leicht. Das ist die typische Reaktion bei Übernahmen. Der Käufer gibt neue Aktien aus, was zu Verwässerung führt.

Die Ausgangslage hat sich seit dem Vorjahr verändert. Rio Tinto ist mit einer Marktkapitalisierung von 102 Milliarden Pfund etwa doppelt so groß wie Glencore. Im Jahr 2022 war der Abstand deutlich geringer. Damals trennte beide Konzerne nur eine Bewertungslücke von zehn Milliarden Dollar. Heute sind es rund 50 Milliarden Dollar.

Kupfer als Treiber der Elektrifizierung

Der Hauptgrund für Rios Interesse ist eindeutig. Es geht um Kupfer. Das rötliche Metall steht im Zentrum der Energiewende. Elektromotoren brauchen Kupfer. Windkraftanlagen brauchen Kupfer. Solaranlagen brauchen Kupfer. Die Stromleitungen für erneuerbare Energien brauchen Kupfer.

Glencore verfügt über erstklassige Kupfervorkommen. Rio Tinto könnte durch eine Übernahme schneller wachsen als durch eigene Minenprojekte. Die Entwicklung neuer Minen dauert Jahre und verschlingt Milliarden. Eine Fusion wäre der schnellere Weg.

Die Kombination beider Kupfergeschäfte würde vermutlich die beste Kupfersparte der Branche schaffen. Glencore bringt bereits ein mächtiges Kupfergeschäft mit. Rio Tinto hat kleinere Bestände, aber vielversprechende Wachstumsprojekte. Zusammen ergäbe sich eine starke Position für die kommenden Jahrzehnte.

Das Timing könnte kaum besser sein. Kupfer entwickelt sich zum wichtigsten Metall der Energiewende. Alles, was elektrisch funktioniert, benötigt das leitfähige Material. Die Nachfrage dürfte in den kommenden Jahren deutlich steigen.

Das Kohle-Problem von Glencore

Auf der anderen Seite steht Glencores Belastung. Der Konzern ist der weltweit größte Kohleproduzent unter den internationalen Bergbauunternehmen. Zusätzlich ist Glencore der weltgrößte Kohlehändler. Das Geschäft trägt 40 Prozent zum operativen Gewinn der Minenparte bei.

Doch Kohle hat ein Image-Problem. Selbst in Zeiten von Donald Trump bleibt das Geschäft bei Investoren unbeliebt. Glencore handelt mit einem Bewertungsabschlag. Die Börse bestraft Unternehmen, die stark von fossilen Brennstoffen abhängen.

Glencore könnte die Kohle-Sparte abspalten. Doch allein ist der Konzern dafür zu schwach. Das Kohlegeschäft liefert zu viel Cashflow. Besonders in wirtschaftlich schwierigen Zeiten braucht Glencore diese Einnahmen. Eine Fusion mit Rio Tinto würde das ändern. Der kombinierte Konzern wäre stark genug, um Kohle abzustoßen.

Analysten der Barclays Bank schätzen, dass eine Fusion Synergien von zehn Milliarden Dollar freisetzen könnte. Das entspricht etwa fünf Prozent der gemeinsamen Marktkapitalisierung. Die Einsparungen würden vor allem durch den Wegfall doppelter Verwaltungsstrukturen entstehen.

Eisenerz als Auslaufmodell

Auch Rio Tinto steht vor Herausforderungen. Der Konzern ist stark von Eisenerz abhängig. Kein Unternehmen außer dem brasilianischen Vale fördert mehr von dem Rohstoff für die Stahlproduktion. Eisenerz ist eine Cashmaschine. Die Gewinnmargen liegen bei über 65 Prozent. Rund 70 Prozent des operativen Gewinns von Rio Tinto stammen aus diesem Geschäft.

Doch die goldenen Zeiten für Eisenerz sind vorbei. In den kommenden Jahren dürften die Preise fallen. Rio Tinto bringt eine riesige neue Mine in Westafrika in Produktion. Die Kosten dort sind niedrig. Gleichzeitig erreicht die chinesische Stahlnachfrage ihren Höhepunkt.

Der Motor hinter Rios Superprofiten könnte ins Stottern geraten. Das liefert einen wichtigen Grund für die Fusionsgespräche. Besser, man diversifiziert jetzt, bevor die Abhängigkeit vom Eisenerz zur Last wird. Eine Fusion würde das Portfolio breiter aufstellen.

Komplexe Strukturfragen

Die Umsetzung einer Fusion wäre alles andere als einfach. Analysten warnen vor der Komplexität. Eine Option wäre die Trennung nach Rohstoffen. Eisenerz und Kohle könnten in einem australischen Unternehmen gebündelt werden. Die Buntmetalle würden separat notiert.

Diese Lösung hätte jedoch problematische steuerliche Folgen. Alternativ könnte Glencore seine Kohle-Sparte abspalten. Rio Tinto würde dann den Rest des Unternehmens mit einem Aufschlag kaufen. Die einfachste Variante wäre eine komplette Übernahme. Das würde allerdings die größte Integrationsherausforderung bedeuten.

Bloomberg News berichtete, dass Rio Tinto bereit sein könnte, Glencores Kohle-Sparte zu behalten. Das würde die Transaktion vereinfachen. Gleichzeitig würde es die Kritik von umweltbewussten Investoren auf sich ziehen.

Die Aktionärsstruktur als Knackpunkt

Auch die Eigentümerstruktur birgt Herausforderungen. Eine Aktien-Transaktion würde den Anteil von Aluminum Corp. of China an Rio Tinto verwässern. Das könnte Rio den Weg für größere Aktienrückkäufe ebnen. Ein positiver Nebeneffekt aus Sicht des Managements.

Doch gleichzeitig käme Ivan Glasenberg ins Spiel. Der frühere Glencore-Chef hält zehn Prozent an seinem ehemaligen Unternehmen. Bei einer Fusion würde er Großaktionär bei Rio Tinto. Glasenberg gilt als durchsetzungsstark und kompromisslos. Rio müsste sich auf einen mächtigen neuen Anteilseigner einstellen.

Kulturell unterscheiden sich beide Konzerne erheblich. Glencore hat seine Wurzeln im Rohstoffhandel. Das Unternehmen nutzt Marktwissen über Engpässe und Nachfragemuster. Diese risikofreudige Händlermentalität prägt Glencore bis heute. Rio Tinto ist hingegen ein klassischer Bergbaukonzern.

Erfolgreiche Übernahmen setzen voraus, dass der Käufer seine Kultur durchsetzt. Das erscheint bei dieser Konstellation schwierig. Glencore-Aktionäre werden eine hohe Prämie erwarten. Schließlich arbeitet ihr Konzern täglich daran, Preise zu gestalten statt zu akzeptieren.

Was die Fusion für Anleger bedeutet

Die Verhandlungen sind noch im Gange. Es gibt keine Garantie für einen Abschluss. Doch die Konstellation macht Sinn. Beide Unternehmen haben komplementäre Stärken und Schwächen. Rio braucht Kupfer-Exposure. Glencore braucht einen Partner, um Kohle loszuwerden.

Ein wichtiger Aspekt bleibt die Bewertung. Glencore wird hart verhandeln. Ivan Glasenberg ist nicht bekannt für Zugeständnisse. Der Südafrikaner hat seine Aktien 2011 für 5,30 Pfund an die Börse gebracht. Seitdem lag der Kurs nur an 71 von über 3.460 Handelstagen über dem Ausgabepreis.

Auch BHP Group beobachtet die Entwicklungen. Der Konkurrent will ebenfalls Kupfer-Assets kaufen. Rio muss attraktive Konditionen bieten. Sonst droht eine Auktion, die den Preis in die Höhe treibt.

Für Anleger eröffnen sich verschiedene Perspektiven. Glencore-Aktionäre können auf eine Übernahmeprämie hoffen. Der jüngste Kursanstieg spiegelt diese Erwartung bereits wider. Rio-Aktionäre müssen abwägen. Die strategische Logik ist überzeugend. Doch Integration und Bewertung bergen Risiken.

Konsolidierungsdruck?

Die Bergbauindustrie erlebt einen Konsolidierungstrend. Kupfer wird zum umkämpften Asset. Gleichzeitig müssen Konzerne ihre Portfolios modernisieren. Fossile Brennstoffe werden zur Belastung. Batteriemetalle und Elektrifizierungs-Rohstoffe gewinnen an Bedeutung.

Ein Zusammenschluss von Rio Tinto und Glencore würde die Branche neu ordnen. Die Kombination aus Größe, Rohstoffvielfalt und geografischer Reichweite wäre einzigartig. Ob der Deal zustande kommt, hängt von den Details ab. Die Verhandlungen dürften noch Monate dauern.

Die Geschichte zeigt, dass bei großen Fusionen selten beide Seiten gleichwertig profitieren. Die Billiton-BHP-Fusion von 2001 erwies sich rückblickend als besser für BHP. Die Rio-Alcan-Übernahme von 2007 war weniger vorteilhaft für Rio. Wer diesmal die bessere Seite des Deals erwischt, wird die Zeit zeigen.

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