Ein Kurssprung von über 20 Prozent im vorbörslichen Handel — das gibt es selbst bei volatilen Softwaretiteln selten. Gitlab hat mit seinen Zahlen zum zweiten Geschäftsquartal des Fiskaljahres 2027 die Erwartungen nicht nur übertroffen, sondern regelrecht gesprengt. Die Aktie kletterte in Reaktion auf bis zu 55 Dollar und markierte damit ein neues Mehrjahreshoch.
Der Umsatz stieg um 21 Prozent auf 286,3 Millionen Dollar, rund 13 Millionen über der Konsenserwartung. Der bereinigte Gewinn je Aktie lag bei 0,25 Dollar und damit 39 Prozent über der Analystenschätzung.
Für das laufende Geschäftsjahr hob das Management die Umsatzprognose auf eine Spanne von 1,129 bis 1,133 Milliarden Dollar an, die Gewinnprognose auf 0,85 bis 0,87 Dollar je Aktie.
Kennzahlen zeigen breite Stärke
Hinter den Headline-Zahlen liefern die Details noch mehr Substanz. Das Wachstum der annualisierten Netto-Recurring-Revenue beschleunigte sich erstmals seit 2025 wieder auf über 40 Prozent.
Die Nettoretentionsrate verbesserte sich auf 117 Prozent — ein Zeichen, dass Bestandskunden mehr Budget in die Plattform stecken. Großabschlüsse ab 500.000 Dollar wuchsen um mehr als 150 Prozent im Jahresvergleich, was auf eine tiefere Verankerung im Enterprise-Segment hindeutet.
CEO William Staples verwies auf die wachsende Bedeutung von Governance- und Sicherheitsfunktionen, da KI-gestützte Softwareentwicklung die Codemengen in Unternehmen deutlich erhöht. Der breitere Markt lieferte an diesem Tag keinen Rückenwind: Der S&P 500 bewegte sich kaum, der Nasdaq gab leicht nach. Der Kursanstieg bei GitLab war damit ausschließlich unternehmensspezifisch getrieben.
Analysten reagieren mit Zielanhebungen
Die Reaktion der Wall Street fiel prompt aus. BofA Securities hob das Kursziel von 45 auf 54 Dollar an, beließ die Einstufung aber bei „Neutral“ — die Bank verweist auf eine Wachstumsverlangsamung, die sich aus der Prognose für das dritte Quartal ergibt: Dort soll das Umsatzwachstum auf 15,4 Prozent zurückgehen, nach 21,3 Prozent im abgelaufenen Quartal. Das könnte laut BofA schlicht konservative Planung sein, wirft aber auch Fragen auf, ob GitLab ein Wachstum von 20 Prozent während der Umstellung auf das neue Flex-Preismodell durchhalten kann.
William Blair ging einen Schritt weiter und stufte die Aktie von „Underperform“ auf „Market Perform“ hoch. Begründet wird der Schritt mit besserer Vertriebsausführung, wachsender Kapazität bei Account-Managern und ersten ermutigenden Signalen für die Akzeptanz des Flex-Modells in dessen ersten sechs Wochen am Markt. Mizuho zog zuvor bereits mit einer Anhebung auf 47 Dollar nach.
Der Flex-Übergang bleibt der zentrale Streitpunkt unter den Analysten. Er soll GitLab von einem reinen Lizenzmodell pro Nutzer lösen und stärker an tatsächliche Nutzung koppeln — mit dem Risiko kurzfristiger Umsatzverzerrungen, aber der Chance auf nachhaltigeres Wachstum, sollte die Umstellung gelingen.
Wie sich das Modell über die kommenden Quartale in den Bilanzen niederschlägt, dürfte darüber entscheiden, ob aus dem aktuellen Kurssprung ein stabiler Trend wird.
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