Umsatz rauf, Marge runter: Gerresheimer hat für das dritte Geschäftsquartal vorläufige Zahlen vorgelegt, die den Markt trotzdem überzeugen. Die Aktie legte am Freitag nach einem dreitägigen Rücksetzer um mehr als drei Prozent auf 32,94 Euro zu, obwohl der Gesamtmarkt unter Druck stand.
Umsatz überzeugt, Marge schrumpft
Der Umsatz stieg um acht Prozent auf 605 Millionen Euro und übertraf die Markterwartungen deutlich. Das bereinigte EBITDA sank dagegen um 2,8 Prozent auf 103 Millionen Euro. Die Marge fiel auf 17,1 Prozent nach 19 Prozent im Vorjahresquartal.
Die Prognose für das Geschäftsjahr 2026 bleibt unverändert. Der Konzern erwartet einen Umsatz in der unteren Hälfte der Spanne von 2,3 bis 2,4 Milliarden Euro und eine bereinigte EBITDA-Marge von 17 bis 18 Prozent.
Beim Free Cashflow rechnet das Management mit minus 50 bis minus 100 Millionen Euro. Jefferies merkt an, dass die Ziele ein deutlich stärkeres Schlussquartal voraussetzen.
Glas bremst, Medizintechnik trägt
Das Segment Containment & Delivery treibt das Wachstum. Der Umsatz legte um neun Prozent auf 313 Millionen Euro zu, das bereinigte EBITDA sprang um 20 Prozent auf 77 Millionen Euro. Geholfen haben der Hochlauf des US-Standorts Peachtree für Medizintechnik und starke Kunststoffverkäufe.
Bei Primary Injectable Solutions wuchs der Umsatz dank Spritzen um acht Prozent, Röhrenglas stabilisierte sich. Schwach bleibt das Geschäft mit Behälterglas. Das EBITDA brach um 12 Millionen auf 17 Millionen Euro ein, die Marge sank auf 10,2 Prozent nach 17,4 Prozent. Lagerabbau und Cash-Management drückten die Auslastung. Das Werk in Chicago Heights wurde im September geschlossen.
Schulden und Verkauf im Blick
Die Nettoverschuldung stieg leicht auf 2,09 Milliarden Euro, die Liquidität sank auf 208 Millionen Euro. Stifel bleibt bei „Hold“ mit einem Kursziel von 20 Euro und spricht von „Stabilisierung, noch nicht breiter Erholung“.
Laut Analyst Ed Hall muss Gerresheimer im Schlussquartal 41 bis 91 Millionen Euro Free Cashflow erzielen, um die Prognose zu treffen. Den Abschluss des Verkaufs der Sparte Primary Packaging Plastics erwartet Stifel nun im ersten Quartal 2027 statt im ersten Halbjahr.
Charttechnisch rückt das Hoch seit Oktober 2025 näher: Oberhalb von 34,20 Euro wäre es erreicht. Nach dem Rauswurf aus dem SDax im April, ausgelöst durch den verspäteten Geschäftsbericht, räumen Marktbeobachter dem Titel angesichts der Kurserholung wieder Chancen auf eine baldige Rückkehr ein. Der Konzern wies für 2024/25 wegen hoher Wertberichtigungen einen Verlust von fast 319 Millionen Euro aus.
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