Gerresheimer Aktie: Werk in Zhenjiang Dagang eröffnet

Gerresheimer eröffnet Werk in China und treibt Centor-Verkauf voran. Goldman Sachs hält 20 Prozent der Stimmrechte. Analysten uneins.

Auf einen Blick:
  • Neues Werk in China eröffnet
  • Centor-Verkauf für 900 Mio. Euro geplant
  • Goldman Sachs mit 20% Stimmrechten
  • Analysten uneins über Aktienbewertung

Der Verpackungsspezialist Gerresheimer treibt seine internationale Wachstumsstrategie voran. Im Zentrum der jüngsten operativen Entwicklungen steht die Eröffnung eines neuen Werks in Zhenjiang Dagang, China. Mit diesem Schritt verdoppelt das Unternehmen seine lokalen Kapazitäten für injizierbare Verpackungslösungen, einem zentralen Wachstumsfeld im Pharmasektor. Die Inbetriebnahme der Anlage am Donnerstag unterstreicht die Bestrebungen, die Präsenz in der Region Asien-Pazifik signifikant zu stärken.

Ausbau der Kapazitäten und Fokus auf Nachhaltigkeit

Die Standorterweiterung in China ist Teil einer breiteren industriellen Offensive. Neben dem neuen Werk in Zhenjiang Dagang setzte Gerresheimer zuletzt auch auf den Ausbau seiner heimischen Infrastruktur. So nahm das Unternehmen am 16. Juli eine neue Photovoltaikanlage am Standort Pfreimd in Betrieb, um die Energieversorgung nachhaltiger zu gestalten. Diese Maßnahmen flankieren den ersten freiwilligen Nachhaltigkeitsbericht nach CSRD-Vorgaben, den das Unternehmen Anfang Juli vorlegte.

Operativ durchläuft der Konzern derzeit eine Phase des Umbruchs. Nachdem im Oktober vergangenen Jahres Uwe Röhrhoff als Interims-CEO die Leitung übernommen hatte, stehen die Optimierung des Portfolios und die Entlastung der Bilanz im Vordergrund. Ein wesentlicher Baustein ist dabei der eingeleitete Verkaufsprozess für die Tochtergesellschaft Centor Inc. Medienberichten zufolge wird für diese Sparte ein Verkaufserlös von rund 900 Millionen Euro diskutiert. Der Erlös könnte zur Tilgung von Verbindlichkeiten eingesetzt werden, insbesondere im Hinblick auf ein Schuldscheindarlehen über 870 Millionen Euro, das im September 2026 fällig wird. Aktuell sind die Kreditauflagen für diese Finanzierung ausgesetzt.

Verschiebungen in der Aktionärsstruktur

Parallel zu den operativen Fortschritten sorgt eine Meldung über die Stimmrechtsverteilung für Bewegung. Die US-Investmentbank Goldman Sachs hält mittlerweile rund 20 Prozent der Stimmrechte an Gerresheimer. Ein Großteil dieser Position wird jedoch über Finanzinstrumente gehalten und nicht über direkte Aktienanteile. Diese Nachricht stützte gestern den Aktienkurs, der zeitweise deutlich zulegte.

Trotz der jüngsten Erholungstendenzen notiert das Papier am heutigen Dienstag bei 27,36 Euro. Damit liegt der Kurs zwar mit 1,13 Prozent über dem 50-Tage-Durchschnitt, bleibt jedoch deutlich unter den Höchstständen des vergangenen Jahres. Im Vergleich zum 52-Wochen-Tief weist der Wert hingegen einen soliden Abstand von 83,62 Prozent auf.

Kontrastreiche Einschätzungen der Analysten

Die Expertenmeinungen zur weiteren Entwicklung von Gerresheimer gehen derzeit weit auseinander. Das Analysehaus UBS sieht erhebliche Risiken und stuft den Wert auf „Sell“ ein. Das dortige Kursziel liegt mit 12,90 Euro weit unter dem aktuellen Marktniveau. Die Analysten begründen ihre vorsichtige Haltung unter anderem mit der hohen Verschuldung und den Herausforderungen im operativen Geschäft.

Demgegenüber zeigt sich Bernstein deutlich optimistischer. Das Institut bewertet die Aktie mit „Market-Perform“ und sieht ein Kursziel von 28,70 Euro. Im Fokus der Anleger bleibt nun die für den 1. September terminierte Hauptversammlung, auf der weitere Details zur strategischen Neuausrichtung und zum Fortschritt des Centor-Verkaufs erwartet werden. Aktuelle Daten von Revelio Labs zeigen zudem eine veränderte Personalstruktur: Im März 2026 beschäftigte das Unternehmen weltweit 506 Mitarbeiter, was einem Rückgang von etwa acht Prozent gegenüber dem Jahr 2023 entspricht. Die größten Belegschaftsanteile entfallen dabei auf die USA (knapp 40 Prozent) und Brasilien (rund 26 Prozent), während Deutschland etwa 14 Prozent der Mitarbeiter stellt.

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