Die Hauptversammlung von Gerresheimer hat ein klares Signal gesendet: Die Aktionäre stützen den eingeschlagenen Sanierungskurs des Managements. Sämtliche Beschlussvorschläge der Gesellschaft fanden am Dienstag mehrheitliche Zustimmung – bei einer Präsenz von 41,59 Prozent des Grundkapitals. Für den von Bilanzierungsproblemen und Gewinnwarnungen gebeutelten Verpackungskonzern ist das ein wichtiges Etappenziel.
Aufsichtsrat wird neu besetzt, Altlasten bleiben offen
Mit Markus Sieger übernimmt ein neuer Vorsitzender den Aufsichtsrat. Gemeinsam mit ihm zogen Rainer Beaujean und Eva van Pelt neu in das Kontrollgremium ein, Klaus Röhrig wurde bestätigt. Die frühere Vorsitzende Annette Köhler sowie Axel Herberg und Andrea Abt standen nicht mehr zur Wiederwahl.
Die Vergangenheit lässt das Unternehmen jedoch nicht ganz los. Die Entlastung der früheren Vorstandsmitglieder Dietmar Siemssen, Lukas Burkhardt und Bernd Metzner wurde vertagt – die Prüfungen zu möglichen Pflichtverletzungen und Schadensersatzforderungen laufen weiter. Die aktuellen Vorstände Uwe Röhrhoff, Wolf Lehmann und Achim Schalk erhielten dagegen für das Geschäftsjahr 2025 die Entlastung.
Vorstandsmitglied Achim Schalk sprach auf der Hauptversammlung von einer „klaren strategischen Perspektive“ und verwies auf die Weichenstellung für Entschuldung und Refinanzierung. Kern der Strategie ist der Verkauf der Business Units Centor und Primary Packaging Plastics, verbunden mit einem schärferen Fokus auf Drug Delivery Devices, Medizinprodukte und Primärverpackungen für injizierbare Arzneimittel.
Rally mit Fragezeichen
An der Börse hat sich die Aktie zuletzt kräftig erholt – ein Kursplus von über 50 Prozent steht seit dem Tief zu Buche. Trotz dieser Erholung bleiben Analysten skeptisch und raten überwiegend zum Verkauf. Die Skepsis speist sich aus der Vorgeschichte: Zwei interne Untersuchungen zu fehlerhafter Umsatzerfassung und Bilanzierung mussten aufgearbeitet werden, bevor sie im Jahres- und Konzernabschluss 2025 Niederschlag fanden.
Für das laufende Geschäftsjahr wurde KPMG als neuer Abschlussprüfer bestätigt – ein Wechsel, der nach den Bilanzproblemen der Vorjahre zusätzliches Vertrauen schaffen soll.
Ob die neue Führungsriege um Sieger und Schalk die Wende schafft, hängt maßgeblich davon ab, wie schnell sich die angekündigten Verkäufe der beiden Business Units konkretisieren und welche Ergebnisse die noch laufenden Untersuchungen zu den früheren Vorstandsmitgliedern liefern.
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