Gerresheimer setzt auf der Produktseite ein sichtbares Zeichen. Der Pharmaverpackungsspezialist arbeitet mit Milliken & Company an einer Additivtechnologie für HDPE-Verpackungen, die Arzneimittel besser vor Feuchtigkeit schützen soll. Der operative Fortschritt kommt zur richtigen Zeit. Denn die eigentliche Belastungsprobe bleibt die Bilanz.
Neue Technologie trifft auf Vertrauensproblem
Im Kern geht es um LeneX™ UltraGuard®. Die Technologie soll die Feuchtigkeitsbarriere von HDPE-Verpackungen um bis zu 40 Prozent verbessern und zugleich Materialeinsparungen ermöglichen. Für feuchtigkeitsempfindliche Medikamente ist das mehr als ein technisches Detail: Verpackungsintegrität ist in der Pharmaindustrie oft regulatorisch entscheidend.
Gerresheimer präsentierte die Partnerschaft mit dem US-Spezialchemiekonzern Milliken auf der Interpack in Düsseldorf. Die Zusammenarbeit knüpft an ein früheres Projekt von Bormioli Pharma, inzwischen Teil von Gerresheimer, mit Milliken an. Dabei wurde bereits eine Lösung für einen großen globalen Pharmakunden umgesetzt.
Operativ ist das ein sinnvoller Schritt. Er zeigt, dass Gerresheimer im Kerngeschäft weiter an margenrelevanten Verpackungslösungen arbeitet. Am Markt reicht das allein aber nicht, um die Bilanzsorgen zu überdecken.
BaFin-Prüfung belastet die Story
Die BaFin leitete am 6. März 2026 eine Prüfung eines Konzernzwischenabschlusses ein. Im Mittelpunkt stehen mögliche Fehler bei Risiken aus der Bormioli-Finanzierung. Auch Wertminderungen und Bill-and-Hold-Geschäfte spielen eine Rolle.
Parallel dazu ermittelt die Abschlussprüferaufsicht APAS gegen KPMG. Die Prüfungsgesellschaft hatte den Abschluss 2024 ohne Einschränkungen testiert. Strittig sind unter anderem Bill-and-Hold-Geschäfte über 35 Millionen Euro.
Gerresheimer hat neben KPMG inzwischen auch Grant Thornton eingebunden. Das soll zusätzliche Sicherheit in die Aufarbeitung bringen. Für den Kapitalmarkt zählt nun vor allem, ob der kommende testierte Abschluss die offenen Punkte sauber einordnet.
Centor-Verkauf soll entlasten
Ein wichtiger Hebel bleibt der geplante Verkauf der US-Tochter Centor. Gerresheimer hat den Prozess wegen starken Interesses potenzieller Käufer eingeleitet und will die Transaktion noch in diesem Jahr abschließen. Morgan Stanley begleitet den Verkauf.
Centor ist auf Verpackungssysteme für verschreibungspflichtige Medikamente in den USA spezialisiert. Der Buchwert liegt bei 292 Millionen Euro. Eine zweistellige Zahl potenzieller Interessenten soll im Prozess sein.
Auch die Finanzierungspartner geben Gerresheimer Zeit. Banken und Schuldscheingläubiger verlängerten die Frist für den testierten Jahresabschluss bis Ende September 2026. Wichtige Bedingungen zum Verschuldungsgrad wurden vorerst ausgesetzt.
Für das laufende Geschäft erwartet Gerresheimer Umsätze von rund 2,3 bis 2,4 Milliarden Euro. Die bereinigte EBITDA-Marge soll bei rund 18 bis 19 Prozent liegen. Der freie Cashflow wird moderat positiv erwartet.
Aktie bleibt anfällig
Am Mittwoch fällt die Aktie auf 26,62 Euro und verliert damit 7,12 Prozent. Trotz eines Plus von 54,23 Prozent auf Monatssicht bleibt die Bilanz über zwölf Monate mit minus 57,68 Prozent schwach.
Gerresheimer rechnet im Abschluss für 2025 mit nicht zahlungswirksamen Wertminderungen von rund 220 bis 240 Millionen Euro. Betroffen sind vor allem Projekte von Sensile Medical und Vermögenswerte in Chicago. Der testierte Jahres- und Konzernabschluss soll im Juni 2026 veröffentlicht werden; kurz danach ist die Quartalsmitteilung vorgesehen. Bis dahin bleibt die neue Verpackungstechnologie ein operativer Pluspunkt, die Neubewertung der Aktie hängt aber an der Klärung der Bilanzthemen.
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