Gerresheimer Aktie: BaFin weitet Prüfung aus

BaFin identifiziert weitere Bilanzierungsfehler bei Gerresheimer. Das Unternehmen muss bis September testierte Abschlüsse vorlegen.

Auf einen Blick:
  • BaFin entdeckt neue Bilanzierungsfehler
  • APAS leitet Verfahren gegen KPMG ein
  • Gläubiger gewähren Fristverlängerung
  • Aktie verliert auf Jahressicht 49,5 Prozent

Der Spezialverpackungshersteller Gerresheimer steckt tiefer in der Bilanzkrise als bislang bekannt. Die Finanzaufsicht BaFin hat weitere mögliche Bilanzierungsfehler identifiziert. Gleichzeitig leitete die Abschlussprüferaufsichtsstelle APAS ein Verfahren gegen den Prüfer KPMG ein.

Der 30. September 2026 wird zum Schicksalsdatum. Bis dahin muss Gerresheimer testierte Abschlüsse vorlegen. Die ursprünglich für Ende Februar erwarteten Zahlen wurden bereits mehrfach verschoben – zuletzt auf Juni 2026. Auch die Hauptversammlung und die Quartalsmitteilung für Q1 sind gekippt.

Kern der Untersuchung

Im Fokus der BaFin stehen drei Problemfelder: falsch ausgewiesene Leasingverbindlichkeiten, fehlerhafte Angaben zu Nutzungsdauern aktivierter Entwicklungskosten und nicht erfasste Wertminderungen. Allein das Segment Advanced Technologies hat einen Buchwert von knapp 197 Millionen Euro.

Die Folgen sind bereits sichtbar. Im April 2026 flog die Aktie aus dem SDAX.

Gläubiger gewähren Aufschub

Die Kreditgeber halten dem Unternehmen den Rücken frei. Schuldschein-Inhaber mit rund 96 Prozent eines Gesamtvolumens von 870 Millionen Euro stimmten einer Fristverlängerung zu. Wesentliche Kreditbedingungen zum Verschuldungsgrad wurden bis zum dritten Quartal 2026 ausgesetzt.

Das verschafft Zeit – löst aber nichts.

Operative Gegenbewegung

Trotz der Turbulenzen investiert Gerresheimer in die Zukunft. Am Standort Peachtree City in den USA wurden zwei automatisierte Lagersysteme installiert. Über 400 neue Arbeitsplätze entstanden.

Zudem läuft der Verkauf der US-Tochter Centor Inc. Ein Abschluss noch in diesem Jahr.

Ausblick mit Fragezeichen

Die Aktie notiert bei 24,40 Euro – ein Minus von 0,89 Prozent am Mittwoch. Auf Jahressicht verlor das Papier rund 49,50 Prozent. Vom 52-Wochen-Tief bei 14,90 Euro im Februar erholte sich der Kurs um knapp 64 Prozent. Die Volatilität bleibt mit 45,78 Prozent extrem hoch.

Operativ hält das Management an der Prognose für 2026 fest: Erlöse zwischen 2,3 und 2,4 Milliarden Euro, eine bereinigte EBITDA-Marge von 18 bis 19 Prozent. Diese Ziele stehen unter dem Vorbehalt, dass die Kreditverhandlungen glücken und die BaFin-Verfahren abgeschlossen werden.

Der September wird zeigen, ob Gerresheimer das Vertrauen der Märkte zurückgewinnt – oder ob die Krise noch tiefer reicht.

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