Der aktivistische Investor Active Ownership hat bei Gerresheimer offiziell seine Ziele offengelegt. Die Gruppe um Florian Schuhbauer und Klaus Röhrig hält inzwischen über zehn Prozent der Stimmrechte und will in den Aufsichtsrat einziehen. Für den MDax-Konzern, dessen Aktie binnen eines Jahres mehr als die Hälfte an Wert verlor, startet damit eine neue Phase.
Was Active Ownership erreichen will
In einer Pflichtmitteilung nach § 43 WpHG erklärten die Investoren, dass sie eine „angemessene Repräsentation“ im Kontrollgremium anstreben. Das Ziel: Handelsgewinne erzielen und strategische Maßnahmen umsetzen. Eine Einflussnahme auf die Vorstandsbesetzung oder eine Änderung der Kapitalstruktur sei dagegen nicht geplant.
Gleichzeitig – nein, umformulieren: Parallel dazu planen Schuhbauer und Röhrig, in den nächsten zwölf Monaten weitere Anteile zu kaufen. Der genaue Umfang hänge vom Aktienkurs und der operativen Entwicklung ab. Die bisherigen Aktien kamen aus eigenen Mitteln.
Bereits Mitte Mai kauften mit Röhrig verbundene Einheiten wie der Active Ownership Fund und AOC Gecko S.à r.l. zusätzliche Aktienpakete. Der durchschnittliche Kaufpreis: 28,25 Euro je Aktie. Das Gesamtvolumen lag im niedrigen einstelligen Millionenbereich.
Solche Insiderkäufe sind ein starkes Vertrauenssignal. Vor allem, weil die Aktie zuvor massiv unter Druck stand.
Absturz und leichte Erholung
Die Gerresheimer-Aktie notiert aktuell bei 27,56 Euro. Auf Wochensicht bedeutet das ein Plus von knapp sieben Prozent, im Monatsvergleich von 14,5 Prozent. Der Abstand zum 52-Wochen-Tief bei 15,57 Euro ist also deutlich.
Doch das täuscht über das Ausmaß der Talfahrt hinweg: In den vergangenen zwölf Monaten verlor das Papier fast 55 Prozent. Vom Hoch bei 64,40 Euro ist es mehr als 57 Prozent entfernt. Der 200-Tage-Durchschnitt liegt mit 26,64 Euro nur knapp unter dem aktuellen Kurs.
Die Shortquote ist hoch – viele Marktteilnehmer wetten auf weitere Verluste. Zusätzliche Spannung bringt der ausstehende testierte Jahresabschluss für das vergangene Geschäftsjahr. Er soll im Juni 2026 vorgelegt werden.
Kreditgeber gewähren Spielraum
Die Banken des Konzerns haben bereits einer Verlängerung wichtiger Covenant-Fristen zugestimmt. Das verschafft dem Management Luft für operative Maßnahmen. Mit Active Ownership im Aufsichtsrat dürfte der Druck auf die Führung jedoch steigen.
Der Juni wird zum ersten Lackmustest: Gelingt ein sauberer testierter Abschluss, könnte das Vertrauen allmählich zurückkehren. Ob Schuhbauer und Röhrig bis dahin weitere Aktien einsammeln, bleibt offen. Klar ist: Gerresheimer steht unter verschärfter Beobachtung.
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