Gerresheimer erkauft sich Zeit, aber der juristische Druck steigt massiv. Während der Pharmaverpackungsspezialist um sein überfälliges Testat ringt, knöpft sich der Aktionärsschutzverband DSW die ehemalige Führungsriege vor. Es geht um Millionenwerte, fehlerhafte Bilanzen und Schadensersatz.
Schadensersatz und Prüfer im Visier
Die DSW prüft rechtliche Schritte gegen Ex-CEO Dietmar Siemssen und Ex-CFO Bernd Metzner. Im Zentrum stehen Geschäftswerte von 676 Millionen Euro. Laut DSW-Chef Marc Tüngler könnte bald ein Prozessfinanzierer einsteigen.
Parallel dazu gerät KPMG unter Beschuss. Die Abschlussprüferaufsichtsstelle APAS hat ein berufsrechtliches Verfahren eingeleitet. KPMG hatte den Abschluss für 2024 ohne Einschränkungen testiert. Das passierte kurz nach dem Wechsel vom vorherigen Prüfer Deloitte.
Der Kern des Skandals liegt in sogenannten Bill-and-Hold-Transaktionen. Gerresheimer verbuchte Umsätze für noch nicht gelieferte Ware zu früh. Eine Anwaltskanzlei bestätigte diese systematischen IFRS-Verstöße. Sie verfälschen 35 Millionen Euro Umsatz und 24 Millionen Euro beim bereinigten EBITDA.
BaFin prüft weitere Bilanzposten
Die Aufsichtsbehörde BaFin durchleuchtet nun weitere Details. Sie prüft Leasingverbindlichkeiten von rund 65 Millionen Euro und aktivierte Entwicklungskosten. Besonders kritisch ist das Segment Advanced Technologies. Hier fehlen womöglich Wertminderungen in Höhe von knapp 197 Millionen Euro.
Dem Kapitalmarkt fehlen dadurch verlässliche Daten. Die ursprünglich für Februar geplanten Abschlüsse wurden mehrfach verschoben. Im Juni soll der testierte Jahresabschluss endlich vorliegen. Für viele institutionelle Investoren ist die Aktie bis dahin schlicht nicht kaufbar.
Zeitgewinn durch Schulden-Deal
Auf der Finanzierungsseite hat sich das Management Luft verschafft. Fast alle Schuldschein-Inhaber stimmten einer Fristverlängerung bis Ende September 2026 zu. Das sichert ein Volumen von 870 Millionen Euro. Gerresheimer gewinnt so dringend benötigte Zeit für die Aufarbeitung.
Um die Kasse aufzubessern, steht die Sparte Centor zum Verkauf. Der Bereich für Medikamentenverpackungen stand zuletzt mit 292 Millionen Euro in den Büchern. Das Unternehmen spricht von einer zweistelligen Anzahl an Interessenten. Ein Abschluss soll noch in diesem Jahr erfolgen.
Die Krux: Centor liefert überdurchschnittliche Margen. Ein Verkauf drückt die ohnehin gesunkene Profitabilität weiter. Dennoch hält der Vorstand an seinen Zielen für 2026 fest. Er plant mit Umsätzen von bis zu 2,4 Milliarden Euro und einer operativen Marge von 18 bis 19 Prozent.
Technisch bleibt das Papier angeschlagen. Nach dem SDAX-Abstieg fiel der Kurs unter die 38-Tage-Linie auf rund 25 Euro. Die Folge: Ein veränderter Investorenkreis, da passiv investierende Fonds abwandern.
Leerverkäufer halten aktuell elf Prozent der Aktien. Erste Akteure wie Arrowstreet Capital reduzieren ihre Positionen aber bereits leicht. Der entscheidende Impuls für die weitere Kursentwicklung folgt nun mit dem angekündigten Testat im Juni.
Gerresheimer-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Gerresheimer-Analyse vom 12. Juni liefert die Antwort:
Die neusten Gerresheimer-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Gerresheimer-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 12. Juni erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
