Goldman Sachs stellt klar: Die Beteiligung von knapp 20 Prozent an Gerresheimer dient keinem strategischen Ziel. Das Institut betont in einer Stimmrechtsmitteilung, die Position sei im Rahmen der üblichen Kundenbetreuung aufgebaut und halte an keinen Einfluss auf Vorstand oder Aufsichtsrat.
Weitere Stimmrechte will die Bank innerhalb der nächsten zwölf Monate nicht erwerben – es sei denn, Handelsstrategien von Kunden oder Absicherungsgeschäfte machen es nötig. Auch eine Änderung der Kapitalstruktur oder Dividendenpolitik sei nicht geplant. Kein Wunder: Bei Goldman Sachs handelt es sich offenbar um eine reine Finanzbeteiligung.
BaFin-Untersuchung belastet die Stimmung
Trotz der Entwarnung bleibt die Lage angespannt. Die Finanzaufsicht BaFin prüft Unregelmäßigkeiten in der Rechnungslegung der Jahre 2024 und 2025. Im Fokus stehen die Bewertung von Leasingverbindlichkeiten, die Amortisation von Entwicklungskosten und mögliche Wertminderungen im Bereich Advanced Technologies. Allein dort liegen Technologiewerte von 196 Millionen Euro.
Die Unsicherheit hatte Folgen: Gerresheimer musste den testierten Jahresabschluss für 2025 verschieben. Das führte im Frühjahr zum Rauswurf aus dem SDAX. Das Management peilt den Juni 2026 als Ziel an. Je näher der Termin rückt, desto größer die Nervosität bei Anlegern – insbesondere mit Blick auf mögliche Wertberichtigungen.
Parallel drückt der Konzern den Verkauf der US-Tochter Centor voran. Morgan Stanley sondiert den Markt. Branchenkreisen zufolge prüft eine zweistellige Zahl an Interessenten bereits die Datenräume.
Kurs nahe der 200-Tage-Linie
Die Aktie notiert bei 25,80 Euro. Das sind rund 3,9 Prozent über dem 50-Tage-Durchschnitt von 24,83 Euro. Auch die 200-Tage-Linie bei 25,09 Euro wurde zuletzt leicht überschritten – kurzfristig ein positives Signal. Der RSI liegt mit 52,3 im neutralen Bereich.
Eine nachhaltige Trendwende hängt jedoch am testierten Abschluss. Solange der aussteht, bleibt die Aktie vor allem für institutionelle Anleger eingeschränkt investierbar. Die kommenden Wochen entscheiden, ob der Konzern den Juni-Termin einhält oder ob Verzögerungen die Kreditbedingungen belasten.
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