General Motors Aktie: Zwei Prognosen im Widerspruch

General Motors überrascht mit starken Quartalszahlen, senkt jedoch erneut die Nettogewinnprognose. Operative Kennzahlen steigen, Handelskosten belasten.

Auf einen Blick:
  • Quartalsgewinn übertrifft Analystenschätzungen
  • Nettogewinn-Prognose erneut gesenkt
  • Nordamerika-Geschäft treibt Ergebnisse
  • Handelskosten belasten Gewinnaussichten

General Motors hat im zweiten Quartal die Erwartungen der Wall Street klar übertroffen und gleich mehrere Gewinnziele für das Gesamtjahr angehoben. Ausgerechnet die Nettogewinn-Prognose schraubt der Autobauer aber nach unten — bereits das zweite Quartal in Folge. Das wirft die Frage auf, was hinter den gegenläufigen Signalen steckt.

Der Gewinn je Aktie lag bei 3,57 Dollar und damit deutlich über der von Analysten erwarteten Marke von 3,18 Dollar. Der Umsatz kletterte auf 48 Milliarden Dollar, nach einer Konsensschätzung von 46,99 Milliarden Dollar — ein Plus von 1,9 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal.

Nordamerika liefert, der Nettogewinn schwächelt

Bereinigt um Sondereffekte stieg der Gewinn um rund 30 Prozent auf mehr als 3,9 Milliarden Dollar, die bereinigte Marge lag bei 8,2 Prozent. Der ausgewiesene Nettogewinn fiel dagegen um 31,1 Prozent auf 1,3 Milliarden Dollar — im Vorjahresquartal hatte GM noch 1,9 Milliarden Dollar verdient.

Getragen wurde das Ergebnis erneut vom nordamerikanischen Geschäft. Die bereinigte EBIT-Marge kletterte dort auf 8,6 Prozent, ein Plus von 2,5 Punkten gegenüber dem Vorjahr. CEO Mary Barra verweist in ihrem Aktionärsbrief auf sinkende Garantiekosten, geringere Verluste im Elektrogeschäft und eine starke Nachfrage nach Pickups und SUVs. Auch das internationale Geschäft inklusive der China-Joint-Ventures schrieb wieder schwarze Zahlen.

Warum die Nettogewinn-Prognose sinkt

Für das Gesamtjahr hebt GM gleich mehrere Kennzahlen an: Das bereinigte EBIT soll nun zwischen 14 und 16 Milliarden Dollar liegen, das EPS-Ziel bei 12 bis 14 Dollar — über dem Analystenkonsens von 12,79 Dollar. Auch beim freien Cashflow im Automobilgeschäft rechnet der Konzern optimistischer, mit einer Spanne von 9,5 bis 11,5 Milliarden Dollar.

Beim Nettogewinn schraubt GM die Erwartungen dagegen nach unten, auf eine neue Spanne von 8,4 bis 9,8 Milliarden Dollar. Bereits im April hatte der Autobauer die Prognose um einen Zollrabatt in Höhe von 500 Millionen Dollar anpassen müssen — ein Hinweis darauf, dass Handelskosten weiterhin auf der Gewinnzeile lasten, während operative Kennzahlen wie EBIT und Cashflow davon unberührt bleiben.

Am Markt bleibt das Bild entsprechend gemischt: In den vergangenen 90 Tagen gab es sieben positive, aber zehn negative Gewinnschätzungs-Revisionen.

Die Aktie schloss zuletzt bei 75,80 Dollar, nach einem Rückgang von 3,46 Prozent auf Sicht von drei Monaten, aber einem Plus von 55,04 Prozent binnen eines Jahres. Vorbörslich am Dienstag deutete sich ein Rücksetzer auf rund 74,51 Dollar an — ein erstes Zeichen dafür, dass die tieferen Netto­gewinn-Ziele die Anleger stärker beschäftigen als die angehobenen operativen Kennzahlen.

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