Noch führt General Motors den US-Automarkt an. Aber der Vorsprung schmilzt schneller als gedacht — und ausgerechnet Toyota sitzt im Nacken.
Laut einer aktuellen Prognose von Cox Automotive verliert General Motors im Jahresverlauf mehr Marktanteile als jeder andere Hersteller in den Vereinigten Staaten. Die Vergleichszahl aus dem Vorjahresquartal von 17,4 Prozent Marktanteil dürfte auf 16,7 Prozent fallen. Für das dritte Quartal wird ein Absatzrückgang von 5,2 Prozent auf 671.706 verkaufte Fahrzeuge erwartet.
Toyota holt auf, Hyundai überholt Ford
Toyota dagegen legt zu: Cox rechnet mit einem Plus von 2,2 Prozent auf 642.707 verkaufte Einheiten im dritten Quartal. Über das Gesamtjahr liegt General Motors damit nur noch knapp über 121.000 Fahrzeuge vor den Japanern. Sollte Toyota am Jahresende vorne liegen, wäre das erst das zweite Mal überhaupt — zuletzt gelang das 2021, als Lieferkettenprobleme die Produktion von General Motors ausbremsten.
Hinter dem Trend steckt vor allem ein Produktproblem. General Motors bietet aktuell nur eine Hybrid-Variante an, den Corvette. Bei einem nationalen Benzinpreis-Durchschnitt von 4,48 Dollar pro Gallone entscheiden sich viele Käufer bewusst für sparsamere Antriebe — und finden sie eher bei der Konkurrenz. Toyota gilt als Hybrid-Marktführer, auch Honda profitiert mit einem erwarteten Absatzplus von 5,6 Prozent.
Auch bei Ford zeigt sich das gleiche Muster, wenn auch mit anderen Ursachen: Produktionsausfälle bei der wichtigen F-Series-Pkw-Reihe nach Lieferantenbränden drücken zusätzlich auf die Zahlen. Hyundai dürfte Ford im dritten Quartal erstmals überhaupt bei den US-Verkäufen überflügeln.
Detroit auf historischem Tief
Die drei traditionellen Detroiter Hersteller — General Motors, Ford und Stellantis — kommen zusammen nur noch auf einen historischen Tiefstwert von rund 36 Prozent Marktanteil. Stellantis bildet dabei die Ausnahme und soll im laufenden Turnaround sogar leicht zulegen.
General Motors und Ford haben stattdessen zuletzt ihren Fokus auf spritdurstige V8-Motoren in großen Pickups und SUVs verstärkt — begünstigt durch gelockerte Emissions- und Verbrauchsvorgaben der US-Regierung. Ob diese Produktstrategie angesichts anhaltend hoher Spritpreise trägt, bleibt eine offene Wette des Managements.
Für das Gesamtjahr rechnet Cox Automotive mit 16,1 Millionen verkauften Neuwagen in den USA — mehr als noch in der vorherigen Prognose. Der Gesamtmarkt zeigt sich damit robuster als erwartet. Für General Motors dürfte die entscheidende Frage bleiben, wie schnell sich die fehlende Hybrid-Lücke im Modellportfolio schließen lässt, bevor Toyota beim Jahresendstand vorbeizieht.
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