General Motors baut Motoren – und neuerdings auch Bauteile für die Raketenabwehr. Die Kombination sorgt an der Börse für Bewegung: Die Aktie legte am Donnerstag im frühen Handel um über drei Prozent zu, nachdem Lockheed Martin bekannt gegeben hatte, dass die Rüstungssparte GM Defense erste Komponenten für das Patriot-Raketensystem PAC-3 MSE geliefert hat.
Bemerkenswert ist vor allem das Tempo. Lockheed Martin und GM Defense unterzeichneten den Vertrag am 6. August, bereits am 28. August ging die erste Charge der Gehäusekomponenten raus. 22 Tage von Vertragsschluss bis Auslieferung – für die Rüstungsindustrie ein ungewöhnlich kurzer Zyklus.
Lockheed-Manager Tim Cahill sprach von einem „außergewöhnlichen Turnaround“, der zeige, wie sich zivile Fertigungskapazitäten für die Verteidigungsproduktion nutzen lassen.
Für Lockheed Martin ist die Partnerschaft Teil einer größeren Strategie: Der Konzern investiert acht bis neun Milliarden Dollar in den Ausbau seiner Munitionsproduktion an mehr als 20 US-Standorten, um Lager- und Fertigungskapazitäten um fast die Hälfte zu erhöhen. GM Defense soll dabei künftig auf weitere Programme ausgeweitet werden.
Trucks statt Elektro-Antrieb
Während das Rüstungsgeschäft für positive Schlagzeilen sorgt, bleibt GM beim eigentlichen Kerngeschäft auf bekanntem Terrain. Der Autobauer hat diese Woche die Motorenpalette für die 2027er-Modelle von Chevrolet Silverado und GMC Sierra vorgestellt – mit zwei neuen V8-Triebwerken, einem Dieselmotor und einer überarbeiteten Vierzylinder-Turbovariante. Elektroantriebe spielen dabei keine Rolle.
Der Kurswechsel zurück zum Verbrenner ist kein Zufall, sondern Kalkül: GM-Präsident Mark Reuss will mit den neuen Trucks die seit sechs Jahren laufende Marktführerschaft im Segment gegen Ford und Stellantis verteidigen. Aktuell entfallen bei GM rund 55 Prozent der Silverado-Verkäufe und etwa 61 Prozent der Sierra-Verkäufe auf V8-Modelle. Der 3,0-Liter-Turbodiesel kommt bei Sierra und Silverado auf 20 beziehungsweise 35 Prozent Absatzanteil.
Der Hintergrund: Elektro-Pickups verkaufen sich schleppend, weil Anhängelast und Reichweite bei schweren Lasten schnell einbrechen. Hinzu kommt die Deregulierung unter der Trump-Administration, die Förderungen für E-Autos gestrichen und Flottenverbrauchsvorgaben gelockert hat.
GM betont zwar, die Entwicklung der neuen V8-Generation habe bereits 2018 begonnen – lange vor der politischen Kehrtwende. Der Zeitpunkt der Markteinführung passt für den Konzern trotzdem gut.
Ungelöst bleibt derweil ein technisches Problem: Die US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA untersucht weiterhin Ausfälle beim aktuellen 6,2-Liter-V8, obwohl GM bereits einen Rückruf durchgeführt hatte. Chefingenieur Norman Peralta zeigte sich zuversichtlich, dass die neue Motorengeneration ähnliche Probleme vermeidet – ein Nachweis, den GM erst noch erbringen muss.
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