Gemini-Aktie: Winklevoss rettet sich selbst!

Die Gemini-Gründer investieren 100 Millionen Dollar in ihre eigene Kryptobörse. Der Aktienkurs reagiert mit einem deutlichen Plus im nachbörslichen Handel.

Auf einen Blick:
  • Winklevoss Capital Fund investiert 100 Millionen Dollar in Gemini zu 14 Dollar je Aktie
  • Aktie notiert bei rund 5,26 Dollar, ein Minus von mehr als 80 Prozent im Jahresvergleich
  • Q1-Umsatz stieg 42 Prozent auf 50,3 Millionen Dollar, Verlust je Aktie besser als erwartet
  • Predictions-Einheit legte im April 78 Prozent gegenüber dem Vormonat zu

Tyler und Cameron Winklevoss haben ein Problem. Ihre Kryptobörse Gemini Space Station notiert nach einem Minus von mehr als 80 Prozent in den vergangenen zwölf Monaten bei gut 5 Dollar. Also tun die Zwillinge das, was man tut, wenn man Milliardär ist und gleichzeitig CEO und Präsident der eigenen Firma: Man schreibt einen Scheck über 100 Millionen Dollar.

Bezahlt in Bitcoin, natürlich

Winklevoss Capital Fund erwarb 7,14 Millionen Aktien der Klasse A zu je 14 Dollar, Gegenleistung in Bitcoin. Das ist das Doppelte des Schlusskurses vom Donnerstag. Im nachbörslichen Handel sprang die Aktie daraufhin um rund 20 Prozent auf mehr als 6 Dollar.

Tyler Winklevoss ließ dazu verlauten, der Markt habe Gemini „deutlich unterbewertet“ und die Investition werde das Unternehmen für seine nächste Wachstumsphase aufstellen. Klingt gut. Klingt auch ein bisschen nach einem Mann, der in den Spiegel spricht.

Gemini Space Station Aktie Chart

Die Zahlen, immerhin

Zumindest ganz ohne Substanz ist die Geschichte nicht. Gemini meldete für das erste Quartal einen Umsatz von 50,3 Millionen Dollar, 42 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum und knapp über den Analystenschätzungen. Der Verlust je Aktie verbesserte sich auf 0,93 Dollar, nach satten 30,34 Dollar im Vorjahresquartal. Das ist ein Unterschied, der sich sehen lässt. Adjusted EBITDA bleibt mit minus 59,9 Millionen Dollar tief im Roten, aber auch das ist besser als die minus 61,6 Millionen Dollar aus dem Vorjahr.

Zudem meldet die Predictions-Einheit Fahrt: Im April legte das Volumen 78 Prozent gegenüber dem Vormonat zu. Ob das trägt, ist eine andere Frage.

Wenn der Gründer kauft

Was bleibt, ist eine merkwürdige Konstellation. Die Winklevoss-Zwillinge führen das Unternehmen, sitzen im Aufsichtsrat, und investieren nun über ihren eigenen Fonds zu einem Preis, der fast dreimal so hoch liegt wie der aktuelle Kurs. Das kann man als starkes Vertrauenssignal lesen. Man kann es auch als letzten Versuch lesen, eine Aktie zu stabilisieren, die der Markt seit einem Jahr konsequent nach unten schickt. 100 Millionen Dollar in Bitcoin, 14 Dollar je Aktie, 5,26 Dollar Schlusskurs. Die Rechnung geht erst auf, wenn der Rest der Anleger der Logik der Zwillinge folgt.

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