Rekordvermietung in Paris, bestätigte Prognose, und trotzdem bleibt die Aktie unter Druck. Gecina liefert operativ solide Zahlen, doch die Bilanz hat wenig Puffer. Der Immobilienkonzern steht zwischen starkem Geschäft und steigenden Zinsen.
Vermietung auf hohem Niveau
In den ersten neun Monaten 2026 vermietete Gecina rund 140.000 Quadratmeter Bürofläche, davon 92.000 im dritten Quartal. Das Management spricht von einer der stärksten Leistungen seit einem Jahrzehnt. Etwas mehr als die Hälfte stammt von neuen Mietern, der Rest von verlängerten Verträgen. Die neuen Abschlüsse sichern rund 91 Millionen Euro Jahresmiete.
Die vergleichbaren Mieteinnahmen legten um 1,7 Prozent zu, deutlich über der Indexierung von 0,7 Prozent. Bei Büros waren es 1,0 Prozent, im Wohnsegment 6,7 Prozent. Die Auslastung liegt bei 94 Prozent, im zentralen Paris und Neuilly erreicht sie mit 97,4 Prozent einen Rekord.
Die Bruttomieteinnahmen sanken dagegen um 1,4 Prozent auf 531,7 Millionen Euro. Gecina führt das auf Verkäufe älterer Wohnobjekte und Objekte zurück, die in die Entwicklungspipeline wechselten.
Zinsen und Bilanz
Das Ziel für den wiederkehrenden Nettogewinn bestätigt der Konzern: 6,70 bis 6,75 Euro je Aktie. Allerdings macht das Management klar, dass 2027 ein Übergangsjahr wird. Der Auszug von ENGIE aus dem T1-Turm Mitte 2027 reißt eine Lücke, Ersatzmieten fließen vor allem ab 2028.
Heikel ist die Verschuldung. Das Verhältnis von Schulden zu Gesamtkapital lag zuletzt bei 39,9 Prozent und damit knapp unter der 40-Prozent-Schwelle, ab der S&P die Bonität herabstufen könnte. Auf Nachfrage von Barclays verwies Konzernchef Beñat Ortega auf mehrere Hebel: Verkäufe, Inflationseffekte bei den Mieten und die Wertschöpfung der Projekte. Aktienrückkäufe seien angesichts der Lage kein Thema.
Die Finanzierung ist weitgehend gesichert. Vor dem Sommer sammelte Gecina 1,5 Milliarden Euro ein und refinanzierte damit nahezu alle Fälligkeiten des Jahres 2027. Für laufende Projekte fehlen kurzfristig noch rund 400 Millionen Euro, die über weitere Objektverkäufe kommen sollen.
Pipeline als Hoffnungsträger
Die Entwicklungsprojekte sollen nach Fertigstellung 80 bis 90 Millionen Euro Jahresmiete bringen. Sie sollen auch die Dividende stützen. Konkrete Vorvermietungen gibt es noch nicht, das Management spricht von fortgeschrittenen Gesprächen über weitere 40.000 Quadratmeter. Der Markt gilt als abwartend, vor den Wahlen in Frankreich halten sich viele Mieter zurück.
An der Börse fiel die Aktie am Mittwoch um 0,63 Prozent auf 62,70 Euro. Der Kurs liegt klar unter dem Hoch des Jahres. Ein Analyst von Green Street riet dem Management sogar, sich stärker auf den gedrückten Aktienkurs als auf die Fremdkapitalkosten zu konzentrieren.
Der nächste feste Termin ist die Vorlage der Jahreszahlen 2026 am 2. Oktober 2027, nach Börsenschluss. Bis dahin entscheidet sich, ob die Pipeline-Vermietung Fahrt aufnimmt.
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