Das Timing hätte kaum schlechter sein können. Im Februar feierte Vineyard Wind noch einen historischen Moment: Als erstes großes Offshore-Windprojekt der USA nahm die 806-Megawatt-Anlage vor der Küste Massachusetts‘ den Betrieb auf. Bundesrichter hatten den Bau zuvor wieder freigegeben, nachdem die Trump-Regierung Ende 2025 gleich fünf große Küstenprojekte gestoppt hatte. Ein echter Durchbruch, schien es.
Wenige Tage später schickte GE Renewables US LLC eine Kündigung.
1,3 Milliarden Dollar und ein Zahlungsstreit
GE Vernova begründete den Schritt mit ausstehenden Zahlungen, die dem Unternehmen vertraglich zustehen sollen. Der Turbinen-Liefervertrag hat demnach ein Volumen von 1,3 Milliarden Dollar. Vineyard Wind sieht das naturgemäß anders: Die Kündigung sei unrechtmäßig, der Zeitpunkt gezielt gewählt worden, um das Projekt in seiner „verletzlichsten Phase“ zu treffen. So steht es in der Klage, die das Joint Venture aus Spaniens Iberdrola und Dänemarks Copenhagen Infrastructure Partners letzte Woche vor einem Gericht in Massachusetts eingereicht hat.
Vineyard Wind will per richterlicher Verfügung erzwingen, dass GE Vernova die Arbeiten fortsetzt. Das Argument: Ein Stopp würde hunderttausende Massachusetts-Stromkunden von sauberer Energie abschneiden.
Wer hat recht?
Darüber wird nun ein Gericht befinden. Klar ist: Wenn ein Auftraggeber tatsächlich vertraglich fällige Zahlungen nicht leistet, hat ein Auftragnehmer normalerweise gute Karten. Klar ist aber auch, dass GE Vernova mitten in einem politisch aufgeladenen Umfeld agiert, in dem jeder Rückzug aus einem Windprojekt sofort als Signal gelesen wird. Das Unternehmen dürfte das wissen.
Ob der Vertrag tatsächlich verletzt wurde oder ob hier jemand einen günstigen Ausstieg sucht, bleibt vorerst offen. Der Richter wird es herausfinden. Hunderttausende Stromkunden warten derweil.
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