Nach dem Kurssprung im nachbörslichen Handel legen jetzt auch die Analystenhäuser nach. Wells Fargo und Morgan Stanley heben ihre Kursziele für Gap auf jeweils 23 Dollar an, UBS sieht das Papier sogar bei 42 Dollar. Beide Einschätzungen fußen auf denselben Quartalszahlen, die für Überraschung sorgten.
Im zweiten Quartal verdiente Gap 52 Cent je Aktie und übertraf damit die Erwartungen der Wall Street von 49 Cent. Der Umsatz von 3,7 Milliarden Dollar lag zwar leicht unter den Prognosen und rund zwei Prozent unter dem Vorjahreswert, reichte aber, um den Ausblick für das Gesamtjahr bei Gewinn, operativer Marge und Bruttomarge anzuheben.
Old Navy überrascht positiv
Die eigentliche Geschichte hinter den Zahlen spielt sich bei Old Navy ab. Die Marke kämpft seit Jahren mit schwachen Verkäufen, zeigte im Berichtsquartal aber eine bessere Entwicklung als erwartet. Morgan Stanley spricht von „constructive quarter-to-date trends“ bei stabilen Margen und traut dem Konzern dadurch mehr langfristige Ertragskraft zu.
Wells Fargo bleibt vorsichtiger und stuft die Aktie weiter mit „Equal Weight“ ein, verweist aber ebenfalls auf die Widerstandsfähigkeit von Old Navy. Ausgeglichen wurde die Schwäche der Kernmarke durch Stärke bei Gap und Banana Republic, dazu kamen niedrigere Zollkosten zugute. Morgan Stanley bleibt bei derselben Einstufung, sieht aber noch keinen endgültigen Beweis dafür, dass Old Navy im zweiten Halbjahr tatsächlich die Wende schafft.
Der Personalwechsel an der Spitze von Old Navy fällt in dieselbe Woche. Michael Francis, bislang Chief Customer Officer des Konzerns, übernimmt im November von Haio Barbeito, der die Marke seit 2022 geführt hatte. Gap-Chef Richard Dickson bezeichnete den Wechsel als geplanten und durchdachten Übergang – ein weiterer Baustein im Versuch, die Kernmarke wieder auf Kurs zu bringen.
Bewertung bleibt günstig
Trotz der jüngsten Kursbewegung notiert die Aktie mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 8,48 weiterhin moderat. Der neue Zielwert von Wells Fargo entspricht dem 9-Fachen der für das Geschäftsjahr 2027 erwarteten Gewinne – eine Bewertung, die im Vergleich zur Historie des Konzerns nicht überzogen wirkt. Die Spanne der Kursziele zwischen 23 und 42 Dollar zeigt allerdings, wie unterschiedlich die Häuser das Potenzial der Old-Navy-Wende einschätzen.
Wells Fargo bezeichnet den Plan für das zweite Halbjahr als optimistisch, verlangt aber wie Morgan Stanley weitere Beweise für nachhaltige Margenverbesserungen im niedrigen zweistelligen Prozentbereich. Ob Francis als neuer Old-Navy-Chef die nötigen Impulse liefert, dürfte sich frühestens in den Quartalszahlen zum Jahresende zeigen.
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