Man muss Ryan Cohen lassen: Langweilig wird es mit ihm nicht. GameStop hat gerade den höchsten Quartalsgewinn der Unternehmensgeschichte gemeldet, 389,6 Millionen Dollar Nettogewinn, und gleichzeitig ein ungebetenes Übernahmeangebot für eBay über rund 56 Milliarden Dollar auf den Tisch gelegt. Beides in derselben Woche. Die Aktie stieg nachbörslich um mehr als 9 Prozent.
Actionfiguren retten den Laden
Das Zahlenwerk ist tatsächlich ordentlich. Der Umsatz kletterte um 14 Prozent auf 835,3 Millionen Dollar, das Non-GAAP-EPS von 0,30 Dollar schlug den Konsens um satte 0,14 Dollar. Der Antrieb dahinter ist nicht das, woran man bei GameStop zuerst denkt: Es ist das Sammelkartengeschäft, Pokémon, Actionfiguren, Spielzeug. Die klassische Videospielsparte schrumpft seit Jahren, aber Cohen hat das Unternehmen beharrlich in Richtung Collectibles gedreht, und die Zahlen geben ihm vorerst recht.
Dazu kommt ein Kassenbestand von 9,7 Milliarden Dollar, davon 8,4 Milliarden in Cash, Äquivalenten und marktgängigen Wertpapieren. Und ein frisch genehmigtes Aktienrückkaufprogramm über 2 Milliarden Dollar, gültig bis Juni 2029.
GameStop Corp. Aktie Chart
Dann kam der eBay-Hammer
Hätte GameStop einfach die Quartalszahlen gemeldet, der Abend wäre glimpflich verlaufen. Doch Cohen wäre nicht Cohen, wenn er es dabei belassen hätte. GameStop hat ein unaufgefordertes Übernahmegebot für eBay vorgelegt, größtenteils in Cash und Aktien, bei 125 Dollar je eBay-Aktie, insgesamt rund 56 Milliarden Dollar. eBays Board hat das Angebot umgehend als weder glaubwürdig noch attraktiv zurückgewiesen.
Cohen hat daraufhin signalisiert, notfalls einen Proxy-Kampf zu führen. Er hat aggressive Kostensenkungsziele ins Spiel gebracht und die rund 1.600 GameStop-Filialen in den USA als Authentifizierungs- und Logistikrückgrat für eBay positioniert. Ob das reicht, um institutionelle eBay-Aktionäre zu überzeugen, ist eine andere Frage.
Meme-Logik oder echte Strategie?
GameStop hat seinen eBay-Anteil zuletzt von 6,6 auf 7,8 Prozent aufgestockt, auch nach der Ablehnung. Das ist kein Zufall. Cohen kauft Druck auf. Ob der Plan aufgeht, ob ein Videospiel-Händler mit Pokémon-Karten wirklich den weltweit zweitgrößten Online-Marktplatz übernehmen kann, das ist offen. Aber eines ist klar: GameStop hat gerade seinen höchsten Gewinn aller Zeiten mit dem Verkauf von Actionfiguren erzielt. Wer hätte das 2021 gewettet?
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