Ryan Cohen hat schon immer gern groß gespielt. Aber 56 Milliarden Dollar für eBay, ein Unternehmen fast viermal so groß wie GameStop selbst? Das ist kein Schachzug mehr, das ist ein Bluff mit offenem Visier. Als er sich heute einem CNBC-Interview stellte und die Fragen rund um die Übernahme und die Finanzierung nicht plausibel beantworten konnte, fiel der Kurs der GameStop-Aktie in Echtzeit. Am Ende des Handelstags waren es 10 % Verlust.
GameStop Corp. Aktie Chart
Woher kommt das Geld?
GameStop hält nach eigenen Angaben rund 9 Milliarden Dollar in bar und hat sich eine sogenannte „Highly Confident Letter“ von der TD Bank gesichert, die weitere 20 Milliarden Dollar Fremdkapital in Aussicht stellt. Nicht bindend, versteht sich. Das Instrument wurde in den 1980ern von den Unternehmensräubern jener Ära populär gemacht, und schon damals war es vor allem eines: ein Signal, kein Versprechen. Den Rest soll Aktientausch finanzieren, also GameStop-Aktien, die nach Ansicht mancher Analysten fundamental kaum mehr als eine Milliarde Dollar wert sind.
Joost van Dreunen fasste die Stimmung kurz zusammen: „Es gibt sofort eine Menge red flags.“ Gemeint sind die Art der Angebotsübermittlung und die Mathematik dahinter.
Cohens Rechnung, die nicht aufgeht
GameStop verspricht, innerhalb von zwölf Monaten nach dem Abschluss rund 2 Milliarden Dollar jährliche Einsparungen bei eBay zu heben. Besteuert und kapitalisiert wäre das vielleicht 16 Milliarden Dollar wert. Nur: eBay-Chef Jamie Iannone könnte selbst Kosten kürzen, ganz ohne Cohen. Und die drastischen Marketing-Einsparungen, die GameStop anpeilt, dürften eBays langfristige Perspektiven eher beschädigen als stärken.
Die eigene Bilanz ist derweil alles andere als berauschend. Seit 2020 hat GameStop die Zahl seiner Filialen auf 2.206 halbiert. Der Umsatz sank um 29 Prozent auf 3,6 Milliarden Dollar. Das NFT-Marktplatz-Abenteuer endete still. Die Amazon-Ambitionen auch. Geblieben ist ein profitables, aber schrumpfendes Unternehmen mit 477 Millionen Dollar bereinigtem Gewinn im vergangenen Jahr.
Warum Cohen es trotzdem tut
Hier wird es interessant. Cohen erhält keine Gehaltserhöhung, wenn der Deal gelingt. Aber er erhält bis zu 172 Millionen GameStop-Aktien, wenn das Unternehmen eine Marktkapitalisierung von 100 Milliarden Dollar und ein EBITDA von 10 Milliarden Dollar erreicht. Das wären, zu heutigen Kursen, mehr als 35 Milliarden Dollar für ihn persönlich. Im CNBC-Interview sagte Cohen dazu: „Ich profitiere nur, wenn die Aktionäre profitieren. Mein Vergütungspaket ist darauf ausgerichtet.“ Stimmt, technisch gesehen.
Michael Burry, der Mann, der die Subprime-Krise kommen sah, postete auf X, der Deal ergebe „vollkommen Sinn“. Ob Burry diesmal genauso richtig liegt wie 2008, steht auf einem anderen Blatt.
Der Markt hat seine Meinung
GameStop-Aktie fiel am Montag so stark wie seit fast einem Jahr nicht mehr. eBay stieg um rund 5 Prozent. Der Markt sagt damit ziemlich klar, wer hier der Gewinner wäre, zumindest kurzfristig, und wer die Zeche zahlt. Das 125-Dollar-Angebot je eBay-Aktie enthält nur 75 Dollar in bar, ein Abschlag auf den Kurs vom Februar, als Cohen begann, seinen 5-Prozent-Anteil aufzubauen. Der Rest ist GameStop-Papier. Wer das annimmt, glaubt an Cohen. Und das ist, wie die Kursreaktion zeigt, eine Minderheit.
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