Manchmal passt alles zusammen. FUCHS, der Mannheimer Schmierstoffhersteller, legt heute seinen Halbjahresbericht vor, und die Zahlen lesen sich, als hätte jemand die Vorlage für einen Musterkonzern geschrieben. Umsatz rauf, EBIT rauf, Prognose rauf. Selten genug.
Zwei Milliarden Euro, und das erst zur Halbzeit
In den ersten sechs Monaten 2026 wuchs der Umsatz um 11 Prozent auf 2,003 Milliarden Euro. Das ist das erste Mal, dass FUCHS die Zwei-Milliarden-Marke zur Halbzeit knackt. Alle drei Weltregionen zogen mit: EMEA legte 11 Prozent zu auf 1,156 Milliarden Euro, Asien-Pazifik 12 Prozent auf 567 Millionen Euro, Nord- und Südamerika immerhin noch 7 Prozent auf 376 Millionen Euro, trotz kräftiger negativer Währungseffekte.
Das EBIT sprang um 24 Prozent auf 260 Millionen Euro. Die Marge kletterte von 11,6 auf 13,0 Prozent. Ergebnis je Stammaktie: 1,35 Euro, ein Plus von 0,26 Euro gegenüber dem Vorjahr.
Vorzieheffekte und Konkurrenzprobleme halfen kräftig mit
Vorstandschef Stefan Fuchs nennt im Bericht drei Treiber für das starke zweite Quartal: Vorziehkäufe wegen des Nahostkonflikts, Lieferprobleme einzelner Wettbewerber, und organisches Wachstum auf breiter Front. Das ist eine ehrliche Aufzählung, denn die ersten beiden Punkte sind Sondereffekte. FUCHS profitierte davon, weil das eigene globale Produktions- und Beschaffungsnetzwerk lieferfähig blieb, während andere ins Straucheln gerieten. Dazu kommt die vollständige Übernahme des bisherigen Joint Venture in der Türkei Ende April, die 25 Millionen Euro externes Wachstum beisteuerte.
EBIT-Prognose angehoben, aber das zweite Halbjahr ist eine andere Geschichte
Auf Basis dieser ersten sechs Monate hebt FUCHS die EBIT-Prognose für 2026 moderat an: von bisher rund 450 Millionen Euro auf nun 460 bis 480 Millionen Euro. Gleichzeitig macht Stefan Fuchs unmissverständlich klar, dass sich das erste Halbjahr nicht einfach fortschreiben lässt. Die Vorzieheffekte werden die Absatzmengen im zweiten Halbjahr belasten. Rohstoffpreise steigen weiter, Grundöle aus der Golfregion bleiben knapp, Energie und Logistik kosten mehr als früher.
Der freie Cashflow vor Akquisitionen fiel denn auch schon im ersten Halbjahr von 81 auf 61 Millionen Euro, weil das Nettoumlaufvermögen inflationsbedingt aufgebaut werden musste. Für das Gesamtjahr erwartet FUCHS weiterhin einen freien Cashflow deutlich unter 270 Millionen Euro.
Asien-Pazifik überrascht am meisten
Ein Blick lohnt sich auf Asien-Pazifik. Das EBIT dort stieg um 42 Prozent auf 91 Millionen Euro. China lieferte den größten absoluten Beitrag, alle anderen Länder der Region legten relativ besonders stark zu. Australien steuerte zudem einen Einmaleffekt von 7 Millionen Euro aus einem Grundstücksverkauf bei. Ohne diesen Effekt wäre das Bild etwas nüchterner, aber auch dann ist ein EBIT-Sprung von 42 Prozent in der Region keine Kleinigkeit.
YTD liegt die FUCHS-Aktie rund 16 Prozent im Plus. Wer jetzt auf das zweite Halbjahr schaut, sieht ein Unternehmen mit solider Basis und echten Gegenwinds. Das ist halt kein Widerspruch.
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