Der Londoner Leitindex hält sich am Freitagmittag klar im Plus — trotz neuer Eskalation im Nahen Osten und eines Hezbollah, das ein Waffenstillstandsangebot mit Israel abgelehnt hat. Die geopolitischen Risiken drücken die Stimmung, verhindern aber keine moderaten Kursgewinne.
Der FTSE 100 notiert kurz vor Mittag bei rund 10.400 Punkten, ein Plus von etwa 0,4 Prozent. Damit schlägt sich London besser als der weitgehend unveränderte EuroStoxx 50 — und deutlich besser als die Technologiewerte, die europaweit unter Druck stehen.
Raspberry Pi als Tagesgewinner
Das Highlight des Handelstages liefert Raspberry Pi Holdings. Die Aktie des Einplatinen-Computer-Spezialisten schoss um 26 Prozent in die Höhe, nachdem das Unternehmen ankündigte, den Jahresgewinn deutlich über den Markterwartungen abzuschließen. Eine Gewinnwarnung nach oben dieser Größenordnung ist selten — kein Wunder, dass der Markt entsprechend reagiert.
Unter den Schwergewichten legten LSEG und Experian je rund 3,1 Prozent zu. Sainsbury’s, Rightmove und Tesco gehörten ebenfalls zu den Gewinnern, mit Aufschlägen zwischen 1,5 und 2,6 Prozent.
Miner im Gegenwind
Auf der Verlierseite stehen die Bergbaukonzerne. Glencore, Anglo American, Rio Tinto und Antofagasta gaben zwischen 1 und 1,6 Prozent nach — ein Sektor, der zuletzt auch am Donnerstag bereits Federn lassen musste. Halma verlor knapp 3 Prozent, Scottish Mortgage und JD Sports Fashion je rund 2 Prozent.
Europaweit belastet der Technologiesektor die Indizes. ASML fiel um 3,2 Prozent, STMicroelectronics sogar um mehr als 4 Prozent. Die Angst vor einer Korrektur bei KI-Titeln, nachdem die Kurse zuletzt stark gestiegen waren, macht sich bemerkbar.
US-Jobdaten als nächster Kurstreiber
Der entscheidende Impuls für das Nachmittagsgeschäft kommt aus den USA. Die Veröffentlichung der amerikanischen Arbeitsmarktdaten für Mai steht noch aus — von diesen Zahlen erhoffen sich Investoren Hinweise auf den weiteren Kurs der US-Notenbank. Zeigen die Payrolls einen robusten Arbeitsmarkt, könnte die Hoffnung auf baldige Zinssenkungen weiter schwinden. Kommen die Daten schwach herein, dürfte das den Risikoappetit kurzfristig stützen.
Hauspreisdaten aus dem Vereinigten Königreich trübten das Bild etwas ein: Die Halifax-Daten zeigten für Mai einen leichten Rückgang von 0,1 Prozent gegenüber dem Vormonat — entgegen der Erwartung eines kleinen Anstiegs. Für den FTSE 100 bleibt das Umfeld damit zweigeteilt: solide Einzeltitel-Dynamik, aber makroökonomische Fragezeichen.
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