Ferrexpo kommt nicht aus der Misere. Der in London gelistete Eisenerzproduzent steckt in einer akuten Liquiditätskrise – und der Aktienhandel bleibt vorerst ausgesetzt. Grund: Die Wirtschaftsprüfer verweigern die Bestätigung der Unternehmensfortführung (Going Concern). Sie sehen einen erheblichen Kapitalmangel, der die operative Existenz bedroht.
Die Aktie ruht seit Anfang Mai 2026. Damals verpasste Ferrexpo die Frist für den Jahresbericht. Um die Prüfung zu bestehen, braucht das Unternehmen mindestens 100 Millionen Dollar frisches Eigenkapital.
Kapitalbedarf und Aktionärsblockade
Der Weg zu diesem Geld ist steinig. Der Großaktionär Fevamotinico hält 49,32 Prozent der Anteile – und will nur proportional an einer Kapitalerhöhung teilnehmen. Das heißt: Den Rest der benötigten 100 Millionen Dollar müssen andere Investoren oder alternative Finanzierungen stemmen.
Hinzu kommen hausgemachte Probleme. Ferrexpo verkaufte zwar ein Schiff und erlöste 7,7 Millionen Dollar. Eine vernachlässigbare Summe im Vergleich zu einem 90-Millionen-Loch bei der ukrainischen Umsatzsteuer (VAT). Die Rückerstattungen stecken in einem komplexen Rechts- und Verwaltungsdschungel fest.
Die operative Tochter Poltava Mining steht unterdessen vor einem Insolvenzverfahren. Das erhöht das Risiko für die gesamte Gruppe.
Operativer Einbruch
Die Produktionszahlen zeigen das wahre Ausmaß der Krise. Im ersten Quartal 2026 brach die Förderung um 72 Prozent ein – auf nur noch 593.000 Tonnen. Nur eine Pellet-Produktionslinie läuft noch. Damit kann Ferrexpo kaum organische Einnahmen erwirtschaften, selbst wenn die internationalen Rohstoffpreise locken.
Die Zukunft hängt an zwei Faktoren: Gelingt die Einigung mit den Prüfern? Und findet das Unternehmen die 100 Millionen Dollar? Ohne eine bestätigte Fortführungsprognose bleibt die Aktie an der Londoner Börse suspendiert. Investoren warten ab, ob Ferrexpo das VAT-Problem löst oder neue Geldgeber ins Boot holt. Beides ist offen.
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