Ferrari zum halben Preis: Die vergessene Holdinggesellschaft mit Discount

Die Investmentgesellschaft Exor notiert mit einem Abschlag von mehr als 50 Prozent zum Net Asset Value. Das Portfolio umfasst Ferrari, Stellantis und Philips.

Auf einen Blick:
  • Über 50 Prozent Abschlag zum inneren Wert
  • Portfolio mit Ferrari, Stellantis und Philips
  • Langjährige Führung durch die Agnelli-Familie
  • Aktive Portfolio- und Rückkaufstrategie

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

manchmal sind die Einzelteile mehr wert als das Ganze. Diese alte Börsenweisheit trifft derzeit auf eine europäische Investmentgesellschaft zu, die von den meisten Anlegern komplett übersehen wird. Exor gehört der legendären italienischen Agnelli-Familie und kontrolliert knapp 20 Prozent an Ferrari. Dazu kommen Beteiligungen an Stellantis, CNH Industrial und Philips. Der Clou: Die Aktie notiert mit über 50 Prozent Abschlag zum tatsächlichen Wert ihrer Beteiligungen. Für Value-Investoren ergibt sich daraus eine ungewöhnliche Chance mit begrenztem Risiko.

Die Agnelli-Familie und ihr verborgenes Imperium

Exor ist kein gewöhnlicher Konzern. Die Gesellschaft fungiert als Holdingstruktur für das industrielle Erbe der Agnelli-Dynastie. Giovanni Agnelli gründete Ende des 19. Jahrhunderts Fiat und legte damit den Grundstein für eines der bedeutendsten europäischen Industrieimperien. Seine Nachkommen besitzen heute mehr als die Hälfte der Exor-Anteile. Diese Familienkontrolle garantiert langfristige Stabilität und verhindert kurzfristige Aktionärsaktivismus.

Das Portfolio spiegelt die industrielle DNA wider. Ferrari wurde 2015 von Fiat Chrysler abgespalten und entwickelte sich seitdem zum Kronjuwel. Der Aktienkurs stieg seit dem Börsengang um das Siebenfache. Stellantis entstand aus der Fusion von Fiats Autogeschäft mit Chrysler 2014 und der späteren Kombination mit dem französischen Peugeot-Konzern. CNH Industrial, die Nummer zwei am Markt für Landmaschinen hinter Deere, ging 2013 aus der Verschmelzung von Fiats Industriesparte mit CNH Global hervor.

Neben diesen Schwergewichten hält Exor Anteile an kleineren, aber feinen Unternehmen. Christian Louboutin gehört zu den führenden Herstellern exklusiver Damenschuhe in Europa. The Economist zählt zu den renommiertesten Wirtschaftsmagazinen weltweit. Diese Mischung aus Automobil, Luxus und Medien zeigt die breite Aufstellung der Holding.

Der 50-Prozent-Discount als Investment-Chance

Die vergangenen zwei Jahre verliefen für Exor enttäuschend. Die Aktie fiel um mehr als 20 Prozent. Ferrari-Papiere gaben 25 Prozent von ihrem Rekordstand ab. Stellantis musste eine Abschreibung von 27 Milliarden Dollar auf sein Elektroautogeschäft vornehmen. Diese Belastungen drückten den Kurs auf 72 Euro an der Euronext-Börse in Europa. Das entspricht etwa 86 Dollar für die wenig gehandelten American Depositary Receipts.

Der geschätzte Net Asset Value liegt jedoch bei 190 Dollar je Aktie. Diese Bewertung basiert auf den aktuellen Börsenkursen der öffentlich notierten Beteiligungen und den unternehmenseigenen Schätzungen für die privaten Holdings. Die letzte Aktualisierung erfolgte im Juni 2025. Der Abschlag von über 50 Prozent erscheint zu extrem.

John Elkann führt Exor seit 2009 als CEO. Der 49-jährige Agnelli-Nachkomme fungiert zugleich als Chairman von Ferrari und Stellantis. Seine Bilanz kann sich sehen lassen. Der Net Asset Value wuchs bis Mitte 2025 mit einer jährlichen Rate von knapp 18 Prozent. Der Vergleichsindex MSCI World schaffte im selben Zeitraum nur 11 Prozent. Bei einem derart hohen Discount und möglichen Turnarounds bei den Portfoliounternehmen braucht es nicht viel für einen Erfolg.

Ferrari als Herzstück der Bewertung

Investoren können Exor als günstigen Umweg betrachten, um in Ferrari zu investieren. Der 19,5-Prozent-Anteil ist derzeit 14,8 Milliarden Dollar wert. Das entspricht fast 40 Prozent des gesamten Net Asset Value von Exor. Gemessen an der Marktkapitalisierung von 18 Milliarden Dollar macht Ferrari sogar 80 Prozent aus.

Die Exor-Bilanz überzeugt mit soliden Fundamentaldaten. Nettoschulden von etwa 2 Milliarden Dollar stehen Gesamtvermögen von fast 40 Milliarden Dollar gegenüber. Die Dividendenrendite bleibt mit unter 1 Prozent bescheiden. Das Management bevorzugt Investitionen oder Aktienrückkäufe gegenüber Ausschüttungen. Europäische Analysten bewerten Exor nahezu einhellig positiv. UBS-Analyst Patrick Hummel vergibt ein Kaufrating mit Kursziel von 117 Euro. Das entspricht einem Potenzial von 60 Prozent gegenüber dem aktuellen Niveau.

Aktives Portfolio-Management schafft Wert

Elkann pflegt kein statisches Portfolio. 2022 verkaufte Exor den Rückversicherer PartnerRe für 9,3 Milliarden Dollar. Im Februar 2025 folgte ein gut getimter Verkauf von Ferrari-Aktien im Wert von über 3 Milliarden Dollar nahe den Höchstständen. Ab 2023 investierte das Unternehmen rund 4 Milliarden Dollar in Philips-Anteile. Diese Transaktionen zeigen strategisches Geschick und Flexibilität.

Das Management kündigte an, neue Investments auf Gesundheitswesen und Luxusgüter zu konzentrieren. Allerdings erscheinen diese Sektoren momentan nicht günstiger bewertet als die eigene Aktie. Exor kaufte in der ersten Jahreshälfte 2025 eigene Anteile für etwa 1,2 Milliarden Dollar zurück. Das entspricht ungefähr 6 Prozent des Streubesitzes. Die starke Bilanz mit 4 Milliarden Dollar Schulden und 2 Milliarden Dollar Cash erlaubt weitere Rückkäufe.

Der Verkauf von Iveco, einem Hersteller von Nutzfahrzeugen, bringt 2026 voraussichtlich über 1 Milliarde Dollar zusätzliche Liquidität. Im September zeigte sich das Unternehmen zurückhaltend bezüglich künftiger Buybacks. Bei der Vorlage der Zahlen für das zweite Halbjahr 2025 Ende März dürften Analysten kritische Fragen zum Discount und zu Aktienrückkäufen stellen.

Warum der Discount existiert und wie er schrumpfen könnte

Viele Konglomerate und Investmentgesellschaften notieren mit Abschlag zum NAV. Loews und Graham Holdings teilen dieses Schicksal. Investoren zweifeln daran, dass die Beteiligungen verkauft werden. Familienkontrolle erschwert es aktivistischen Aktionären, Aufspaltungen durchzusetzen. Berkshire Hathaway bildet eine Ausnahme. Der weltgrößte Mischkonzern notiert laut UBS-Analyst Brian Meredith nahe seinem intrinsischen Wert.

Exor profitiert vom niederländischen Domizil. Beim Verkauf von Beteiligungen mit Gewinn fallen keine Steuern an. US-Unternehmen genießen solche Steuervorteile normalerweise nicht. Der aktuelle Discount von über 50 Prozent ist historisch außergewöhnlich. 2023 lag er bei 35 Prozent. Vor zehn Jahren betrug er nur 15 Prozent. Der Durchschnitt seit 2009 pendelt bei 30 Prozent.

Das Management zeigt sich gelassen. Elkann betonte im März vergangenen Jahres, Exor müsse einfach liefern. Bei guter Performance kümmere sich der Discount von selbst. Ferrari-Aktien erholten sich bereits um 20 Prozent von ihren jüngsten Tiefständen. Stellantis-Papiere wirken günstig gegenüber anderen Autoherstellern. Diese Entwicklungen könnten den Exor-Discount allmählich reduzieren.

Die Investment-These für geduldige Value-Investoren

Exor bietet derzeit eine ausreichende Sicherheitsmarge. Dazu kommt erhebliches Aufwärtspotenzial. Die Kombination aus bewährtem Management, qualitativ hochwertigen Beteiligungen und extremem Bewertungsabschlag schafft eine attraktive Risiko-Ertrags-Relation.

Der Ferrari-Anteil allein rechtfertigt fast die gesamte Marktkapitalisierung von Exor. Anleger erhalten Stellantis, CNH Industrial, Philips und die Luxusbeteiligungen praktisch kostenlos dazu. Diese Konstellation tritt an den Märkten selten auf. Sie erfordert allerdings Geduld und die Bereitschaft, gegen den Strom zu schwimmen.

Die Risiken sollten nicht verschwiegen werden. Familiengeführte Holdinggesellschaften agieren nach eigenen Zeitplänen. Schnelle Kursgewinne sind nicht garantiert. Stellantis kämpft mit Herausforderungen im Elektroautogeschäft. CNH Industrial bewegt sich in einem zyklischen Markt. Ferrari könnte bei einer Rezession Luxuskäufer verlieren.

Doch genau darin liegt die Chance für antizyklische Investoren. Der Markt preist momentan erhebliche Probleme ein. Die Realität könnte sich als deutlich besser erweisen. Elkann hat über anderthalb Jahrzehnte bewiesen, dass er Wert schaffen kann. Die aktuelle Konstellation bietet die Möglichkeit, zu einem Bruchteil des inneren Werts einzusteigen.

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