Ferrari hebt heute nach einem stärkeren dritten Quartal die Jahresprognose erneut an. Entscheidend ist nicht eine höhere Fahrzeugzahl: Teurere Modelle und individuelle Ausstattungen steigern Ergebnis und Mittelzufluss trotz leicht rückläufiger Auslieferungen. Der industrielle freie Cashflow wächst dabei deutlich schneller als der Umsatz. Für Anleger unterstreicht das die finanzielle Wirkung des höherwertigen Modellmixes.
Mehr Mittelzufluss trotz geringerer Stückzahlen
Im dritten Quartal 2026 erzielte Ferrari einen industriellen freien Cashflow von 567 Mio. €. Das entspricht einem Zuwachs von 43%. Damit gewinnt die verbesserte Ertragskraft auch auf der Zahlungsseite an Gewicht.
Die Entwicklung beruht vor allem auf der Zusammensetzung der verkauften Fahrzeuge und den zusätzlichen Ausstattungswünschen der Kunden. Laut Reuters unterstützte insbesondere der F80 den Modellmix. Ferrari benötigt damit derzeit kein steigendes Absatzvolumen, um Umsatz und Gewinn auszubauen.
Die Auslieferungen lagen bei 3.368 Fahrzeugen und damit um 33 unter dem Vorjahreswert. Der Quartalsumsatz erreichte dennoch 1,896 Mrd. €.
Personalisierungen leisten einen wesentlichen Beitrag zu dieser Entkopplung von Stückzahlen und Erlösen. Nach einem Bericht von TechCrunch entfiel auf individuelle Ausstattungen mehr als ein Fünftel des Umsatzes mit Autos und Ersatzteilen. Für die Beurteilung des Geschäfts reicht der Blick auf die Auslieferungen deshalb nicht aus.
Das operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern stieg um 12% auf 563 Mio. €. Die entsprechende Marge erreichte 29,7%.
Auch vor Abschreibungen fiel das Ergebnis besser aus als erwartet. Laut Reuters übertraf Ferrari damit den Analystenkonsens. Die höhermargigen Fahrzeuge und die Personalisierungen stärkten also nicht nur den Umsatz, sondern auch die Profitabilität.
Das bereinigte EBITDA betrug 753 Mio. € gegenüber einer Reuters-Konsensschätzung von 739 Mio. €. Der Nettogewinn erreichte 431 Mio. €.
Höhere Jahresziele mit klaren Einschränkungen
Ferrari überträgt die bessere Geschäftsentwicklung auf den Jahresausblick. Neben den Personalisierungen nennt Reuters geringere Währungsbelastungen und Ferraris zweiten Platz in der Formel-1-Meisterschaft als Gründe für die Anhebung.
Für 2026 erwartet Ferrari nun rund 7,65 Mrd. € Umsatz. Das bereinigte EBITDA soll mindestens 3,00 Mrd. € erreichen.
Die Prognose bleibt eine Erwartung und keine bereits erreichte Leistung. Ferrari legt ihr die aktuelle Einschätzung der Folgen der Nahostkrise zugrunde. Zudem unterscheiden sich die Zielgrößen in ihrer Verbindlichkeit: Beim operativen Ergebnis nennt das Unternehmen Mindestwerte, beim freien Cashflow dagegen eine Obergrenze.
Das bereinigte EBIT soll mindestens 2,285 Mrd. € betragen. Beim bereinigten verwässerten Gewinn je Aktie lautet das Ziel mindestens 9,85 €. Für den industriellen freien Cashflow stellt Ferrari bis zu 1,65 Mrd. € in Aussicht.
Auftragsbestand und Elektrostart geben Perspektive
Über das laufende Quartal hinaus liefert die Nachfrage weitere Anhaltspunkte. Das Auftragsbuch reicht nach Unternehmensangaben bis 2028. Für das laufende Jahr sind außerdem noch zwei Modellstarts geplant.
Hinzu kommt Ferraris erstes Elektroauto Luce. Laut TechCrunch erklärte CEO Benedetto Vigna, die geplante Produktion für 2027 sei vollständig vergeben. Erste Auslieferungen werden im vierten Quartal 2026 erwartet.
Eine konkrete Stückzahl wurde nicht veröffentlicht. Die vollständige Vergabe lässt deshalb keinen bezifferbaren Schluss auf den künftigen Umsatzbeitrag zu. Sie ergänzt aber den langfristigen Auftragsbestand um ein Nachfragesignal für das neue Modell.
Die Aktie gewinnt heute 4,0% und reagiert damit positiv auf die Quartalszahlen und den angehobenen Ausblick. Für die weitere fundamentale Einordnung ist entscheidend, ob Ferrari den profitablen Modellmix und die hohen Personalisierungserlöse fortsetzen kann. Genau darauf beruht die jüngste Verbesserung stärker als auf zusätzlichen Fahrzeugen.
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