Ferrari hat mit dem „Luce“ seinen ersten vollelektrischen Sportwagen enthüllt — und die Börse quittierte das mit spürbaren Verlusten. Die Aktie geriet am Dienstag unter Druck, obwohl das Fahrzeug technisch kaum Wünsche offenlässt.
Was der Luce mitbringt
Der neue Stromer aus Maranello setzt auf 1.050 PS, eine 800-Volt-Architektur und kommt mit fünf Türen — eine für Ferrari ungewöhnliche Karosserie. Ferrari-Chef Benedetto Vigna überraschte zudem mit Zugeständnissen an potenzielle Käufer: Der Wagen soll sich auch ohne strikten Kaufzwang gut vermarkten lassen, heißt es aus dem Unternehmen. Angesichts des Markenwerts dürfte die Nachfrage trotzdem kaum das Problem sein.
Warum Anleger zögern
Das Timing ist heikel. Der Markt für elektrische Sportwagen läuft seit Monaten schleppend. Lamborghini hat bereits angekündigt, vollständig auf ein elektrisches Sportwagenmodell zu verzichten. Aston Martin justiert die eigene Elektrostrategie nach. In diesem Umfeld wirkt Ferraris Schritt in Richtung Elektromobilität für viele Investoren wie ein Risiko — selbst wenn der Luce ein Ferrari bleibt.
Hinzu kommen externe Belastungen. US-Militärschläge gegen den Iran und Spannungen rund um die Straße von Hormus belasteten die europäischen Märkte am Dienstag generell, was den Druck auf die Ferrari-Aktie zusätzlich verstärkte.
Die eigentliche Frage dahinter ist strategischer Natur: Kann Ferrari den Schritt ins Elektrozeitalter vollziehen, ohne die emotionale Bindung zu seiner Kernkundschaft zu gefährden? Die Markenkraft des Unternehmens ist unbestritten — doch gerade Fans gelten als besonders empfindlich gegenüber Veränderungen am Wesenskern des Produkts. Kein Wunder, dass Anleger die Reaktion der Käufer abwarten wollen, bevor sie die Strategie voll einpreisen.
Der nächste Gradmesser wird die tatsächliche Bestelllage sein. Sobald konkrete Vorbestellzahlen für den Luce bekannt werden, dürfte sich zeigen, ob der Marktpessimismus berechtigt war — oder ob Ferrari einmal mehr bewiesen hat, dass Luxus eigene Regeln schreibt.
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