Ferraris erstes Elektroauto hat von Beginn an polarisiert. Das Design des „Luce“ sorgte nach der Enthüllung im Mai für Spott im Netz — und offenbar auch für Zurückhaltung bei einem Teil der gewohnten Kundschaft. Jetzt sieht sich Ferrari mit Berichten konfrontiert, die dem Unternehmen vorwerfen, Druck auf Käufer auszuüben.
Was Bloomberg berichtete — und was Ferrari dazu sagt
Laut einem Bloomberg-Bericht soll Ferrari erwogen haben, den Kauf des Luce zur Bedingung für den Zugang zu zukünftigen limitierten Sondermodellen zu machen. Das Prinzip wäre nicht neu: Ferrari betreibt seit jeher ein Allokationssystem, das treue Kunden bevorzugt — Vielfachbesitzer, Teilnehmer an Werksveranstaltungen, Langzeithalter.
Chief Marketing Officer Enrico Galliera wies den Bericht zurück. Ein solcher Kauf-Zwang wäre ein „schwerer Fehler“, ließ er verlauten. Kunden, die den Luce nur kaufen, um Ferrari einen Gefallen zu tun, würden das Auto nach wenigen Monaten weiterverkaufen. Das würde den Wiederverkaufswert drücken — genau das Problem, an dem der gesamte Luxus-Elektrofahrzeugmarkt gerade leidet.
Kundschaft und Bestelllage
Ferraris Käuferbasis ist traditionell loyal. 2025 kauften rund 84 Prozent der Neukunden bereits einen Ferrari, gut 56 Prozent besaßen sogar mehr als ein Modell. Diese Käuferstruktur macht die Marke widerstandsfähig — aber auch abhängig vom Wohlwollen einer kleinen, verwöhnten Stammkundschaft.
CEO Benedetto Vigna hatte nach der Präsentation von „starkem Interesse“ gesprochen, sowohl von bestehenden als auch von neuen Kunden. Konkrete Bestellzahlen will Ferrari erst Ende Juli mit den Q2-Ergebnissen veröffentlichen. Bis dahin bleibt offen, wie tief das Interesse tatsächlich reicht.
Der Luce kostet 550.000 Euro — eine Schwelle, die selbst für Ferrari-Verhältnisse keine Spontankäufe provoziert. Dass das Unternehmen nun öffentlich darauf besteht, nur „wirklich motivierte“ Käufer zu bedienen, klingt nach Qualitätskontrolle. Es könnte aber auch schlicht die realistischste Art sein, eine überschaubare Nachfrage würdevoll zu managen. Die Q2-Zahlen Ende Juli werden zeigen, wie viel Substanz hinter Vignas Aussagen steckt.
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