FCAS-Aus, Zone-5-Deal und Drohnen-Klagen — Kongsberg, MTU und AeroVironment unter Druck

Kongsberg peilt nach Zone-5-Kauf Umsatzsprung an, MTU muss nach FCAS-Aus umplanen. Drohnenaktien wie Red Cat und DroneShield kämpfen mit Kursverlusten und Ermittlungen.

Auf einen Blick:
  • Kongsberg schließt Zone-5-Übernahme ab
  • MTU sucht nach FCAS-Ende neuen Kurs
  • AeroVironment von Klage und Verlust belastet
  • Red Cat und DroneShield mit Gegenwind

Europas ambitioniertestes Kampfjet-Projekt ist Geschichte. Am 8. Juni einigten sich Frankreich und Deutschland darauf, das gemeinsame Kampfflugzeugsystem FCAS endgültig zu beerdigen — nach neun Jahren Entwicklung und unüberbrückbaren Differenzen zwischen den beteiligten Konzernen. Die Schockwellen treffen MTU Aero Engines direkt, während auf der anderen Seite des Atlantiks Kongsberg Gruppen mit einer milliardenschweren Wachstumsoffensive vorprescht. Drohnen-Pure-Plays wie DroneShield und Red Cat kämpfen derweil mit ganz eigenen Problemen: regulatorischen Ermittlungen, Kursrückschlägen nach explosiven Rallys und einer Branche, die zwischen Autonomie-Euphorie und harter Bewertungsrealität pendelt.

Kongsberg Gruppen ASA: Zone-5-Übernahme abgeschlossen, Umsatzverdreifachung geplant

Kongsberg hatte diese Woche gleich zwei Paukenschläge zu bieten. Am 10. Juni schloss der norwegische Rüstungskonzern die Übernahme des kalifornischen Raketenentwicklers Zone 5 Technologies ab. Mit dem 90-Prozent-Anteil sichert sich Kongsberg Zugang zu erschwinglichen, massenproduzierbaren Abfangflugkörpern — darunter die Langstreckenrakete „Rusty Dagger“ und das Luftverteidigungssystem „White Spike“. Zone 5 beschäftigt über 250 Mitarbeiter und erzielte 2025 bereits Umsätze von mehr als 100 Millionen US-Dollar.

Am selben Tag legte Kongsberg auf seinem Capital Markets Day die Latte hoch: Bis 2029 soll der Jahresumsatz von 33 Milliarden NOK auf 100 Milliarden NOK steigen. Bis 2033 peilt das Management sogar 150 Milliarden NOK bei einer EBIT-Marge oberhalb von 16 Prozent an. Grundlage dafür ist ein Auftragsbestand von 152 Milliarden NOK, der sich aus dem bestehenden Kernportfolio rund um NASAMS und Naval Strike Missile speist — ergänzt um autonome Marineflotten und Rundum-Luftverteidigung.

Die Reaktion des Marktes fiel dennoch verhalten aus. Die Aktie verlor am 10. Juni gut 5 Prozent und schloss bei 298,00 NOK. Der RSI von 33,1 signalisiert überverkauftes Terrain. Das durchschnittliche Kursziel der Analysten liegt bei 371,11 NOK, mit einer Spanne von 280 bis 490 NOK. Die Kluft zwischen strategischer Ambition und Tageskurs bietet Stoff für Diskussionen.

MTU Aero Engines: Das FCAS-Aus zwingt zum Neustart

Für MTU ist das FCAS-Ende mehr als eine Schlagzeile — es reißt ein Loch in die militärische Entwicklungspipeline. Als Kernpartner im Triebwerkspfeiler neben Safran und ITP Aero hatte MTU jahrelang an einem Antrieb der sechsten Generation gearbeitet. Die Zukunft des gemeinsamen Joint Ventures EUMET ist nun ungewiss. MTU fordert beide Regierungen auf, die aufgebaute Expertise und industrielle Basis zu sichern.

Gleichzeitig positioniert sich der Münchener Triebwerksbauer in der deutschen Antwort auf das Programmende. Das Konsortium „Team Gen 6″ vereint Airbus, MBDA, Hensoldt, Diehl Defence, Liebherr, Autoflug und Rohde & Schwarz unter weitgehend deutscher Führung. Die Allianz drängt Berlin, Aufträge „vollständig und fristgerecht“ in der zweiten Jahreshälfte 2026 zu vergeben. Der Weg von einem Positionspapier zu einem finanzierten Programm könnte allerdings lang werden — Deutschlands Eurofighter-Flotte braucht einen Nachfolger, und das Entscheidungsfenster verengt sich.

Das zivile Geschäft stützt derweil die Bilanz. Im ersten Quartal 2026 kletterte der Umsatz um 7 Prozent auf 2,2 Milliarden Euro, das bereinigte EBIT legte 6 Prozent auf 320 Millionen Euro zu. Die Jahresprognose wurde bestätigt — getragen von robuster MRO-Nachfrage und dem Einstieg in UAV-Antriebe.

Die Aktie notiert bei 299,90 Euro und damit nahezu unverändert auf Wochensicht. Berenberg hat MTU jüngst auf „Hold“ herabgestuft und das Kursziel von 420 auf 350 Euro gesenkt. Das durchschnittliche Analystenziel liegt bei 386,10 Euro, doch die Spanne reicht von 275 bis 530 Euro — ein Spiegelbild der Unsicherheit über den militärischen Entwicklungspfad.

AeroVironment: Software-Offensive trifft auf Wertpapierklage

AeroVironment steckt in einem Spagat zwischen operativem Umbau und juristischem Gegenwind. Gleich mehrere Kanzleien haben Anleger aufgefordert, sich bis zum 27. Juli 2026 einer Sammelklage anzuschließen. Der Vorwurf: irreführende Darstellungen im Zusammenhang mit einem 1,7 Milliarden US-Dollar schweren Space-Force-Vertrag. Die Goodwill-Abschreibung von 151,3 Millionen US-Dollar auf die Space-Sparte und ein Nettoverlust von 156,6 Millionen US-Dollar im letzten Quartal unterstreichen die Brisanz.

Operativ treibt das Unternehmen seinen Wandel zum softwarezentrierten Plattformanbieter voran. Im Mai erweiterte AeroVironment seine AV-Halo-Missionssoftware um das Autonomie-Framework INSTINCT und die RF-Sensorik DETECT. Hinzu kam ein dreijähriger Vertrag über 43 Millionen US-Dollar zur Integration der PANTHER-Phasenantenne auf hypersonischen Testplattformen des Verteidigungsministeriums.

Die Aktie ist seit Jahresanfang um 31,29 Prozent gefallen und notiert bei 150,20 Euro — weit entfernt vom 52-Wochen-Hoch bei 354,30 Euro. 17 Analysten vergeben im Konsens weiterhin ein Kaufrating, haben ihre Kursziele aber spürbar von rund 382 auf etwa 311 US-Dollar gesenkt. Die Terminierung des SCAR-Programms und Vertragsverzögerungen belasten die Bewertung, gelten aber nicht als existenzbedrohend.

Red Cat: Nach 70-Prozent-Rally folgt die Ernüchterung

Wenige Rüstungsaktien haben in den vergangenen Wochen eine derart wilde Achterbahnfahrt hingelegt. Von rund 10,67 US-Dollar Ende Mai schoss Red Cat innerhalb weniger Tage auf über 14,70 US-Dollar — ein Plus von mehr als 70 Prozent. Treiber waren der Start der Serienproduktion des unbemannten Überwasserfahrzeugs Variant 7, die Integration der Drohnen in ein KI-gestütztes Bedrohungsanalyse-Kit der U.S. Army und die Aufnahme in das Pentagon-Programm „Drone Dominance“.

Der Rücksetzer ließ nicht lange auf sich warten. In den letzten sieben Tagen gab die Aktie 25,24 Prozent ab und schloss bei 9,48 Euro. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von 132,31 Prozent unterstreicht das Risikoprofil. Für frischen Analystenrückenwind sorgen:

  • Roth/MKM: Kaufempfehlung, Kursziel 25 US-Dollar — mit Verweis auf eine Produktionskapazität, die Umsätze von bis zu einer Milliarde US-Dollar tragen kann (Guidance 2026: 150–180 Millionen US-Dollar)
  • H.C. Wainwright: Kaufempfehlung, Kursziel 20 US-Dollar — setzt auf wiederkehrende Vertragserlöse aus NATO- und Asien-Pazifik-Nachfrage
  • Clear Street: Kursziel von 22 auf 19 US-Dollar gesenkt

Das Kurs-Umsatz-Verhältnis von 40,6x — gegenüber etwa 5,4x im US-Luft- und Raumfahrtsektor — zeigt, wie viel Zukunftshoffnung bereits eingepreist ist. Ob die erwartete Margenexpansion von aktuell 7,5 Prozent Richtung 30 Prozent gelingt, wird die nächsten Quartale bestimmen.

DroneShield: Pentagon-Auftrag verpufft im Schatten der ASIC-Ermittlung

Neue Verträge, alte Probleme. Anfang Juni sicherte sich DroneShield einen 24,9-Millionen-US-Dollar-Auftrag der Joint Interagency Task Force 401 des Pentagon. Die Vereinbarung umfasst mobile und stationäre Drohnenabwehr-Hardware sowie Subskriptions- und Serviceleistungen — mit einem Anfangswert von 19,3 Millionen US-Dollar und Optionen über weitere 5,6 Millionen über fünf Jahre.

Am Kurs änderte das wenig. Die Aktie hat in sechs der letzten zehn Handelstage verloren und notiert bei 1,69 Euro — rund 19 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt und mit einem RSI von 33,6 tief im überverkauften Bereich. Der dominante Belastungsfaktor bleibt die im Mai 2026 offengelegte Untersuchung der australischen Finanzaufsicht ASIC, die sich auf Unternehmensmitteilungen und Aktienhandel im November 2025 bezieht. Ein einziger Tag nach Bekanntwerden kostete 16 Prozent Marktwert — und das Vertrauen der Broker hat sich seitdem nicht erholt.

DroneShield hat angekündigt, vollständig mit der Behörde zu kooperieren. Bisher wurden keine Maßnahmen eingeleitet. Trotzdem bleibt die Ermittlung die entscheidende Variable: Zwischen dem Analystenhaus Ord Minnett, das mit einem „Lighten“-Rating und einem Ziel von 2,28 AUD zur Vorsicht mahnt, und den optimistischsten Schätzungen bei 5,00 AUD klafft eine enorme Lücke. Das Unternehmen selbst hält an seinem Ziel von 155 Millionen AUD Umsatz für 2026 und einer Milliarde AUD annualisiertem Umsatz langfristig fest — vier Quartale positiver operativer Cashflow in Folge untermauern zumindest die fundamentale Basis.

Rüstungssektor zwischen Autonomie-Fantasie und Programmrisiko

Diese Woche verdichtet sich ein Muster, das den Sektor in zwei Lager teilt:

  • Aufwind durch autonome Kriegführung: Red Cat und DroneShield profitieren strukturell vom US-Programm „Drone Dominance“ (Ziel: 300.000 kostengünstige Angriffsdrohnen bis 2027) und Gesprächen der Regierung mit heimischen Drohnenherstellern über Bundesfinanzierung. Kongsberg adressiert denselben Trend mit der Zone-5-Akquisition auf der Munitionsseite.
  • Gegenwind durch Programmschocks: MTU muss ein ganzes Jahrzehnt gemeinsamer Triebwerksentwicklung neu ordnen. AeroVironment verdaut das SCAR-Programmende und eine Wertpapierklage gleichzeitig.
  • Bewertungsdivergenz: Kongsbergs ambitionierter Wachstumsplan steht auf einem 152-Milliarden-NOK-Auftragsbestand. Red Cats 40x-Umsatzmultiple dagegen bepreist eine Zukunft, die erst noch eintreten muss.

Katalysatoren, die in den kommenden Wochen den Takt vorgeben

Für Kongsberg wird die Integration von Zone 5 zum Gradmesser — gelingt der Sprung auf den US-Markt, könnte das die ambitionierten Umsatzziele untermauern. Bei MTU hängt alles davon ab, ob Berlin das „Team Gen 6″-Projekt zügig mit Mitteln hinterlegt. Die Uhr tickt: Ohne zeitnahe Vertragsabschlüsse droht eine Fähigkeitslücke bei der nächsten Kampfjet-Generation.

AeroVironment steht vor einem doppelten Testtermin: die Klagefrist am 27. Juli und der nächste Quartalsbericht. Red Cat muss beweisen, dass die maritime Blue-Ops-Plattform formale Pentagon-Beschaffungsaufträge einwerben kann — und dass sich die dünne Bruttomarge von 7,5 Prozent tatsächlich in Richtung Zielmarke bewegt. Und bei DroneShield entscheidet letztlich ein einziger Faktor über die weitere Kursentwicklung: ob die ASIC-Ermittlung in eine Eskalation mündet oder im Sande verläuft.

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