Der Markt hat seine Meinung bereits gemacht. Vor der EZB-Sitzung am Donnerstag gilt eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte als ausgemachte Sache — der Euro kletterte daraufhin auf rund 1,1545 Dollar.
Die entscheidende Frage ist jedoch nicht, ob die EZB die Zinsen anhebt, sondern was dieser Schritt bedeutet. Marktbeobachter warnen vor einer Fehlinterpretation: Die erwartete Anhebung soll die geldpolitische Glaubwürdigkeit der Notenbank unterstreichen, nicht den Startschuss für einen neuen Straffungszyklus markieren. Eine vorsichtige Anpassung als Antwort auf anhaltenden Inflationsdruck — mehr nicht.
Energie treibt die Inflation, nicht die Nachfrage
Der Preisdruck, der die EZB zum Handeln zwingt, speist sich vor allem aus hohen Energiepreisen. Das ist ein strukturell anderes Problem als eine überhitzte Binnennachfrage. Aggressive Zinserhöhungen würden hier kaum helfen, dafür aber das ohnehin schwache Wachstum in der Eurozone belasten. Das erklärt, warum Volkswirte den Donnerstag nicht als Auftakt einer Serie werten.
Was Lagarde sagt, zählt mehr als der Beschluss
Das Anlegervertrauen in der Eurozone verbesserte sich im Juni zwar leicht — gemessen am Sentix-Index — ein echter Stimmungsumschwung ist das noch nicht. Umso mehr richten die Märkte ihre Aufmerksamkeit auf die Pressekonferenz von EZB-Chefin Christine Lagarde. Ihre Worte zur künftigen Zinspolitik dürften den Euro und die europäischen Anleihemärkte in den nächsten Tagen stärker bewegen als der Beschluss selbst.
Wenn Lagarde signalisiert, dass der Donnerstag ein Einzelereignis bleibt, könnten Euro-Bullen Gegenwind bekommen — die aktuelle Stärke der Gemeinschaftswährung ist zu einem guten Teil auf Zinserwartungen gebaut, die sich nach der Sitzung schnell neu justieren können.
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