Evotec Aktie: RBC 10 Euro gegen Deutsche Bank 4,50 Euro

Evotec senkt erneut die Jahresprognose. RBC und Deutsche Bank bewerten die Lage völlig unterschiedlich. Das Kerngeschäft wächst.

Auf einen Blick:
  • Erneute Senkung der Jahresziele
  • Analysten uneins über Aktienbewertung
  • Kerngeschäft zeigt deutliches Wachstum
  • Kurs nahe 52-Wochen-Tief

Evotec kassiert seine Jahresziele. Zum zweiten Mal. Zwei Banken schauen auf dieselben Zahlen und kommen zu komplett gegensätzlichen Schlüssen.

Die Aktie des Hamburger Biotech-Konzerns notiert bei 3,78 Euro. Das liegt nur knapp über dem 52-Wochen-Tief von 3,19 Euro vom 14. Juli. Binnen sieben Handelstagen hat das Papier über 22 Prozent verloren, der RSI von 24,4 signalisiert eine deutlich überverkaufte Aktie.

RBC bleibt trotz Kurssturz optimistisch

Die kanadische Großbank RBC beließ ihre Einstufung nach der Prognosesenkung auf „Outperform“. Das Kursziel liegt bei 10 Euro. Analyst Charles Weston hatte die Senkung selbst noch als „erhebliche Gewinnwarnung“ bezeichnet.

Sein Argument für die positive Einstufung: Im Basisgeschäft Discovery & Preclinical Development ziehen die Auftragszahlen deutlich an. Weston räumt aber auch ein, dass Evotec beim Erwartungsmanagement Vertrauen verspielt hat. Beim Partnergeschäft mit verschobenen Einkünften muss das Unternehmen laut Weston nun Überzeugungsarbeit leisten.

Deutsche Bank sieht keinen Grund zum Umdenken

Die Deutsche Bank reagiert deutlich zurückhaltender. Sie bestätigt ihr „Hold“-Rating und lässt das Kursziel bei 4,50 Euro unverändert. Die Analysten verweisen schlicht auf die am Montagabend veröffentlichte Gewinnwarnung, die sie als erheblich einstufen.

Zwischen beiden Kurszielen liegen mehr als 5 Euro. Diese Differenz zeigt: Der Markt ist sich uneins, wie viel Gewicht die jüngste Meldung wirklich hat.

Die Zahlen hinter der Kontroverse

Am 13. Juli veröffentlichte Evotec vorläufige Halbjahreszahlen. Der Konzernumsatz liegt bei rund 300,1 Millionen Euro, das bereinigte EBITDA bei minus 42,7 Millionen Euro. Die Liquidität lag Ende Juni bei etwa 465,6 Millionen Euro.

Für das Gesamtjahr rechnet Evotec nun nur noch mit Erlösen zwischen 570 und 610 Millionen Euro. Beim bereinigten EBITDA erwartet der Konzern ein Minus von 70 bis 105 Millionen Euro.

Evotec benennt die Gründe für die Lücke selbst. Rund 40 Prozent entfallen auf verschobene Meilensteinzahlungen bei bestehenden Partnerschaften. Weitere 45 Prozent gehen auf Verzögerungen bei neu verhandelten Kooperationen zurück, die restlichen 15 Prozent auf geringere Umsatzrealisierung.

Das Kerngeschäft läuft besser als der Rest

Trotz der Turbulenzen im Partnergeschäft verweist Evotec auf einen Lichtblick. Die Nettoverkäufe im Basisgeschäft ohne strategische Partner stiegen im ersten Halbjahr um rund 28 Prozent. Just – Evotec Biologics profitierte von hoher Kapazitätsauslastung und einem wachsenden Kundenstamm.

Auch das Sparprogramm liegt im Plan. Bis Ende 2027 will Evotec die Kostenbasis um 75 Millionen Euro verbessern. Für 2026 peilt der Konzern davon 20 bis 30 Prozent an.

Die Kursdaten unterstreichen, wie stark der Markt bereits Zweifel eingepreist hat. Zum 200-Tage-Durchschnitt von 5,43 Euro beträgt der Abstand über 30 Prozent, die Marktkapitalisierung liegt nur noch bei rund 895 Millionen Euro.

Am 13. August legt Evotec die vollständigen Zahlen zum zweiten Quartal vor. Dann zeigt sich, ob die verschobenen Meilensteinzahlungen aus dem Partnergeschäft tatsächlich nachgeholt werden – oder ob RBC seine optimistische Einschätzung revidieren muss.

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