Evotec hat die Zahlen zum ersten Halbjahr vorgelegt und damit die bereits Mitte Juli ausgesprochene Gewinnwarnung untermauert. Der Umsatz sank auf 300,1 Millionen Euro, ein Rückgang von 19,2 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Das adjustierte EBITDA drehte von minus 1,9 Millionen Euro im Vorjahr auf minus 42,7 Millionen Euro. Für Anleger bestätigt sich damit, dass die Ende Juli angekündigte Prognosekürzung keine Ausnahme, sondern die neue Realität ist.
Prognose bleibt trotz roter Zahlen unverändert
Für das Gesamtjahr 2026 hält Evotec an der bereits gesenkten Zielspanne fest: 570 bis 610 Millionen Euro Umsatz und ein adjustiertes EBITDA zwischen minus 70 und minus 105 Millionen Euro. Damit gibt es im Vergleich zur Gewinnwarnung keine weitere Verschlechterung, aber auch keine Erholungssignale.
Im zweiten Quartal allein lag der Umsatz bei 143,5 Millionen Euro, ein Minus von 16,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr, während das adjustierte EBITDA auf minus 20,8 Millionen Euro fiel.
Ein differenziertes Bild zeigt sich innerhalb der Sparten: Der Bereich Discovery & Preclinical Development legte bei den Nettoumsätzen ohne strategische Partnerschaften um 28 Prozent zu. Das biologische Produktionssegment Just Evotec Biologics dagegen verzeichnete einen Rückgang um 17,4 Prozent auf 35,4 Millionen Euro.
Die Kernschwäche liegt damit klar bei den größeren Partnerschaftsgeschäften, deren Verschiebungen laut Unternehmensangaben für rund 85 Prozent der ursprünglichen Umsatzkürzung verantwortlich waren.
Sanierungsprogramm belastet kurzfristig die Bilanz
Die Halbjahreszahlen tragen deutliche Spuren des laufenden Umbauprogramms Project Horizon. Reorganisationskosten von 98,9 Millionen Euro sowie eine Wertberichtigung auf das Hamburger Laborgebäude von 42,3 Millionen Euro belasteten das Ergebnis zusätzlich. Diese Einmaleffekte erklären einen erheblichen Teil des operativen Verlustausweises, ohne dass sie die Kernbotschaft der schwächeren Geschäftsentwicklung relativieren.
Evotec will mit Project Horizon bis Ende 2027 jährliche Kosteneinsparungen von 75 Millionen Euro erreichen. Für das laufende Jahr sollen davon zwischen 20 und 30 Prozent realisiert werden.
Die Zahl der Standorte soll von 19 auf 10 reduziert werden – ein Schritt, der die Kostenbasis des Unternehmens strukturell verändern soll, aber Zeit braucht, um sich in den Ergebnissen niederzuschlagen. Parallel dazu läuft eine bereits Anfang Mai angekündigte strategische Überprüfung des Unternehmens weiter, deren Ausgang offen bleibt.
Liquiditätsseitig verfügte Evotec zum Halbjahresende über 465,6 Millionen Euro. Das verschafft dem Unternehmen Spielraum, um die Transformation ohne unmittelbaren Finanzierungsdruck fortzusetzen.
Aktie nahe am Jahrestief
Die Aktie notiert aktuell bei 3,26 Euro und damit nur noch 2,3 Prozent über ihrem 52-Wochen-Tief von 3,19 Euro, das erst vor wenigen Wochen markiert wurde. Seit Jahresbeginn hat das Papier 40 Prozent an Wert verloren, auf Zwölfmonatssicht sogar 47 Prozent.
Zum 200-Tage-Durchschnitt von 5,03 Euro beträgt der Abstand 35 Prozent – ein Ausdruck dafür, wie stark der mittelfristige Abwärtstrend die Bewertung bereits geprägt hat. Die bestätigten Zahlen liefern dem Markt vorerst keinen Anlass, an dieser Einschätzung etwas zu ändern.
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