Evotec bleibt in der Nähe seines Jahrestiefs gefangen. Die Aktie notiert bei 3,21 Euro, nur gut 2 Prozent über der Marke von 3,14 Euro, die das Papier am 2. September markierte. Der Blick auf die Kooperationsnews der vergangenen Wochen zeigt: Der Markt honoriert Fortschritte in der Pipeline derzeit nicht.
Neue Partnerschaft mit Plectonic Biotech
Am 2. September startete Evotec eine Forschungskooperation mit Plectonic Biotech. Ziel ist die Erforschung T-Zell-aktivierender Ansätze bei soliden Tumoren. Dabei kombiniert Evotec seine BiTco-Plattform mit der LOGIBODY-Technologie von Plectonic.
Seit Bekanntgabe der Kooperation vor gut einer Woche hat die Aktie um 2,6 Prozent nachgegeben – ein Beleg dafür, dass einzelne wissenschaftliche Fortschritte das Kurssentiment derzeit nicht drehen können.
Bereits Anfang August, vor rund einem Monat, hatte Evotec eine KI-gestützte Forschungskooperation mit Odyssey Therapeutics in den Bereichen Autoimmun- und Entzündungserkrankungen bekanntgegeben. Odyssey nutzt dabei die integrierte, datengesteuerte Entdeckungsplattform samt KI-Technologien von Evotec. Auch diese Meldung konnte den Abwärtstrend nicht stoppen: Seither verlor die Aktie 7,1 Prozent.
Prognosesenkung wiegt schwerer als jede Kooperationsmeldung
Der eigentliche Belastungsfaktor liegt weiter zurück. Am 13. Juli, also vor rund acht Wochen, hatte Evotec seine Jahresprognose für 2026 drastisch gekappt: Der erwartete Umsatz sank von zuvor 700 bis 780 Millionen Euro auf nur noch 570 bis 610 Millionen Euro.
Beim bereinigten EBITDA rutschte die Guidance von einer Spanne zwischen 0 und plus 40 Millionen Euro auf minus 70 bis minus 105 Millionen Euro. Einen Monat später, am 13. August, bestätigte Evotec mit den finalen Halbjahreszahlen diese gesenkte Prognose – seit diesem Termin vor rund zwei Wochen gab die Aktie um 4,6 Prozent nach.
Die Zahlen selbst untermauerten den Ernst der Lage: Im zweiten Quartal 2026 sank der Umsatz um 16,2 Prozent auf 143,5 Millionen Euro, das bereinigte EBITDA lag bei minus 20,8 Millionen Euro.
Für das erste Halbjahr insgesamt stand ein Umsatzminus von 19,2 Prozent auf 300,1 Millionen Euro. Ein Lichtblick blieb das Segment Discovery & Preclinical Development, dessen Nettoumsätze im ersten Halbjahr um 28 Prozent zulegten.
Aufsichtsratsabgang und geteiltes Analystenbild
Ende der ersten Augustwoche, vor rund einem Monat, verließ Camilla Macapili Languille den Aufsichtsrat von Evotec. Auch diese Personalie belastete das Sentiment weiter – die Aktie verlor seither 7,8 Prozent.
Am Tag der Halbjahreszahlen, am 13. August, bestätigte RBC Capital Markets sein Rating „Outperform“ mit einem Kursziel von 10,00 Euro – ein deutlicher Kontrast zur aktuellen Kursrealität. Berenberg hatte bereits Mitte Juli, unmittelbar nach der Gewinnwarnung, das Rating von „Kaufen“ auf „Halten“ gesenkt und das Kursziel von 9,40 auf 3,60 Euro zurückgenommen.
Chartbild bleibt angeschlagen
Technisch untermauert der Chart die schwache Stimmung: Der 50-Tage-Durchschnitt liegt bei 3,71 Euro, der 200-Tage-Durchschnitt bei 4,92 Euro – die Aktie notiert damit klar unter beiden Linien. Seit Jahresbeginn beträgt das Minus 41 Prozent, auf Zwölfmonatssicht sogar 45 Prozent. Der nächste konkrete Termin für Anleger ist der Bericht zum dritten Quartal, der üblicherweise im November erwartet wird, ein genaues Datum steht noch nicht fest.
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