Gelingt Evotec nach dem jüngsten Kurseinbruch eine tragfähige Bodenbildung? Am gestrigen Freitag gab die Aktie um 3,5 Prozent nach und ging bei 2,94 Euro aus dem Handel. Der Versuch, eine nachhaltige Gegenbewegung zu etablieren, gerät damit erneut ins Stocken.
Das Wirkstoffforschungsunternehmen befindet sich in einer anspruchsvollen Phase der Neuausrichtung. Nach dem Ausscheiden von Forschungschef Cord Dohrmann am Mittwoch sucht der Vorstand nach einer Neubesetzung für das wissenschaftliche Leitungsressort. Der personelle Umbau fällt in eine Zeit, in der das Vertrauen am Markt nach mehreren herben Rückschlägen spürbar angekratzt ist.
Operativer Gegenwind und Sparprogramm
Hauptursache für den Abwärtstrend bleibt die drastische Korrektur der Jahresziele für 2026. Im Juli senkte das Management die Umsatzerwartung auf 570 bis 610 Millionen Euro. Beim bereinigten EBITDA stellt das Unternehmen für das Gesamtjahr einen Verlust von bis zu minus 105 Millionen Euro in Aussicht, nachdem das operative Geschäft in der ersten Jahreshälfte schwer belastet war.
Gegensteuern soll das interne Sparprogramm Horizon, das laut CFO planmäßig umgesetzt wird. Parallel dazu setzt der Konzern auf operative Fortschritte bei Forschungsprojekten. So startete vor rund zwei Wochen eine Phase-1-Studie für das US-Verteidigungsministerium, zudem wurde vor rund einem Monat eine Kooperation mit Plectonic Biotech vereinbart. Diese Schritte sollen mittelfristig wieder für planbare Erträge sorgen.
Wichtige Marken im Fokus
Am Markt entscheidet sich die kurzfristige Richtung vor allem an markanten Kurszonen. Als zentrale Hürde für eine Erholung gilt der Widerstand bei 3,30 Euro, dessen Überwinden den Weg in Richtung von 4 Euro frei machen könnte. Auf der Unterseite droht dagegen bei erneuter Schwäche ein Test des bisherigen 52-Wochen-Tiefs von 2,71 Euro.
Die verhaltene Kursentwicklung spiegelt die anhaltende Vorsicht der Anleger wider. Viele Marktteilnehmer warten auf konkrete Belege dafür, dass die eingeleiteten Kostensenkungen greifen und die Talsohle im operativen Geschäft tatsächlich durchschritten ist. Entsprechend geteilt präsentiert sich derzeit auch die Einschätzung professioneller Beobachter.
Die Spanne der Analystenurteile fällt beachtlich aus. Berenberg bewertet die Aktie mit einer Einstufung auf „Hold“ und einem Kursziel von 3,60 Euro zurückhaltend. RBC traut dem Titel mit dem Votum „Outperform“ und einem Kursziel von 10 Euro deutlich mehr zu. Neue Klarheit über den tatsächlichen Geschäftsverlauf versprechen die anstehenden Quartalszahlen am 5. November.
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