Evotec hat mit Plectonic Biotech eine Forschungskooperation gestartet, die neue T-Zell-aktivierende Ansätze bei soliden Tumoren entwickeln soll. Die Nachricht sorgte am 2. September für spürbaren Auftrieb im ansonsten schwer angeschlagenen Papier. Für Anleger stellt sich die Frage, ob eine weitere Kooperationsmeldung ausreicht, um die anhaltende Talfahrt der Aktie zu stoppen.
Pipeline-Aktivität trotz Krise
Die Allianz mit Plectonic reiht sich in eine Serie von Forschungspartnerschaften ein, die Evotec in den vergangenen Monaten vermelden konnte. Bereits im August war eine KI-gestützte Kooperation mit dem US-Unternehmen Odyssey Therapeutics in den Bereichen Autoimmun- und Entzündungserkrankungen gestartet, für die Evotec Datenplattform, Screening-Kapazitäten und eigene KI-Technologien bereitstellt – seither hat sich der Kurs um 6,3 Prozent zurückentwickelt.
Im Mai hatte Evotec zudem aus einer Kooperation mit Almirall im Bereich Dermatologie die erste präklinische Entwicklungskandidatin nominiert, nach eigenen Angaben deutlich schneller als der Industriestandard es vorsieht. Im April kamen zwei neue Forschungszuschüsse der Gates-Stiftung für Tuberkulose-Wirkstoffforschung hinzu.
Diese Aktivität auf der Forschungsseite steht in deutlichem Kontrast zur Geschäftsentwicklung. Mitte August bestätigte Evotec die Zahlen für das erste Halbjahr 2026 und senkte gleichzeitig die Jahresprognose massiv: Der Umsatz soll nun bei 570 bis 610 Millionen Euro liegen, statt wie zuvor avisiert bei 700 bis 780 Millionen Euro.
Auch beim bereinigten EBITDA rutschte die Erwartung von einer Spanne um die Nulllinie auf minus 70 bis minus 105 Millionen Euro. Nach Unternehmensangaben resultiert rund 40 Prozent der Umsatzreduktion aus verschobenen Meilensteinzahlungen und Projektphasen bei bestehenden Partnerschaften – die entsprechenden Erlöse werden nun erst 2027 erwartet. Seit der Bestätigung dieser Zahlen vor gut einer Woche hat die Aktie weitere 3,7 Prozent verloren.
Licht und Schatten im operativen Geschäft
Nicht alle Segmente entwickeln sich negativ. Der Nettoumsatz im Bereich Discovery & Preclinical Development stieg im ersten Halbjahr laut Unternehmensangaben um mehr als 28 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auch die Biologics-Sparte Just-Evotec Biologics meldete eine hohe Kapazitätsauslastung und eine wachsende Kundenbasis.
Auf Konzernebene dominierte jedoch der Rückgang: Der Gesamtumsatz im ersten Halbjahr sank um 19,2 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum, das bereinigte EBITDA blieb mit minus 42,7 Millionen Euro deutlich negativ. Zum Halbjahresende verfügte Evotec nach eigenen Angaben über eine Liquidität von 465,6 Millionen Euro.
Personell kam es zu einer weiteren Veränderung im Kontrollgremium: Aufsichtsratsmitglied Camilla Macapili Languille trat mit Wirkung zum 7. August zurück. Sie hatte dem Gremium seit Juni 2022 als unabhängiges Mitglied und Teil des Audit & Compliance Committee angehört. Seit dem Rücktritt vor rund einem Monat hat die Aktie 7,0 Prozent eingebüßt.
Kurs bleibt unter Druck
Am Kapitalmarkt zeigt sich das gesammelte Gewicht dieser Nachrichten in einem fortgesetzt schwachen Kursverlauf. Zum Schluss des Freitagshandels notierte die Aktie bei 3,23 Euro und damit nur noch 3,0 Prozent über ihrem 52-Wochen-Tief. Seit Jahresbeginn steht ein Kursverlust von 41 Prozent zu Buche – ein Ausmaß, das die operativen Probleme des Unternehmens deutlich widerspiegelt.
Die Forschungskooperationen mit Plectonic, Odyssey und Almirall zeigen, dass Evotec auf der wissenschaftlichen Seite weiterhin gefragt ist. Ob sich das operative Geschäft im weiteren Jahresverlauf stabilisiert, dürfte sich frühestens mit dem für den Herbst erwarteten Q3-Bericht abzeichnen.
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