Evotec kommt trotz mehrerer neuer Forschungspartnerschaften nicht aus der Kursflaute heraus. Das Papier notiert aktuell bei 3,20 Euro und damit nur knapp über dem 52-Wochen-Tief von 3,14 Euro, das erst vor wenigen Tagen markiert wurde. Die Nachrichtenlage der vergangenen Wochen zeigt, dass operative Fortschritte den Kurs derzeit kaum stützen können.
Pipeline wächst, der Markt bleibt skeptisch
Vor gut einer Woche bestätigte Evotec die bereits im Juli gesenkte Jahresprognose mit den endgültigen Zahlen für das zweite Quartal und das erste Halbjahr 2026. Der Umsatz sank im ersten Halbjahr um 19,2 Prozent auf 300,1 Millionen Euro, das adjustierte EBITDA rutschte von minus 1,9 Millionen Euro im Vorjahr auf minus 42,7 Millionen Euro ab. Positiv stach der Bereich D&PD hervor, dessen Nettoumsatz um 28 Prozent zulegte. Seit dieser Bestätigung hat die Aktie weitere 4,8 Prozent verloren.
Am vergangenen Mittwoch meldete Evotec den Start einer Forschungskooperation mit Plectonic Biotech zur Entwicklung neuer T-Zell-aktivierender Ansätze gegen solide Tumoren. Die Aktie legte darauf zeitweise um 5 Prozent zu, notiert seither aber wieder 2,8 Prozent niedriger.
Vor rund einem Monat war bereits eine KI-gestützte Forschungskooperation mit dem an der Nasdaq gelisteten Unternehmen Odyssey Therapeutics gestartet, bei der Evotec Meilensteinzahlungen für die Wirkstoffsuche gegen Autoimmun- und Entzündungserkrankungen in Aussicht gestellt wurden. Auch dieser Impuls verpuffte, das Papier verlor seither 7,4 Prozent.
Warum die Kooperationen den Kurs nicht drehen
Das Muster wiederholt sich: Neue Partnerschaften sorgen für kurze Kurssprünge, verlieren aber binnen Tagen ihre Wirkung. Der Grund liegt in der grundsätzlichen Vertrauenskrise, die Evotec seit der drastischen Prognosekorrektur im Sommer begleitet. Anleger bewerten die Substanz der Meilensteinzahlungen offenbar skeptisch, solange die Kernzahlen des Unternehmens rückläufig sind.
Verschärft wurde die Stimmung durch personelle Unruhe im Aufsichtsgremium: Vor rund einem Monat trat Camilla Macapili Languille aus dem Supervisory Board zurück, die Aktie gab seither um 8,1 Prozent nach. Vor über einem Monat hatte zudem eine Herabstufung durch ein Analysehaus für zusätzlichen Druck gesorgt, das Kursziel wurde damals drastisch gekappt – seither verlor das Papier 8,7 Prozent.
Charttechnisch angeschlagen
Der aktuelle Kurs liegt 59 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 7,75 Euro, das noch im November markiert worden war. Diese Distanz verdeutlicht das Ausmaß des Vertrauensverlusts binnen weniger Monate.
Solange Evotec keine überzeugenden operativen Signale liefert, dürften auch weitere Kooperationsmeldungen kaum ausreichen, um den Abwärtstrend nachhaltig zu brechen. Die im August bestätigte Guidance von 570 bis 610 Millionen Euro Jahresumsatz bleibt der nächste wichtige Fixpunkt, an dem sich zeigen muss, ob das Unternehmen die Talsohle tatsächlich erreicht hat.
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