Gekürzte Dividenden, Rekordgewinne und ein mögliches Übernahmeangebot — wer im MDAX nach Bausteinen für ein privates Dividendendepot sucht, trifft auf drei Titel, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Evonik, DWS und Ströer liefern alle eine laufende Rendite oberhalb der Vier-Prozent-Marke. Die Geschichten dahinter erzählen allerdings von sehr verschiedenen Realitäten.
Warum MDAX-Dividenden für die Altersvorsorge interessant sind
Die politische Debatte um die Aktienrente nimmt Fahrt auf. Mit dem Generationenkapital baut der Staat ein milliardenschweres Fundament für die gesetzliche Rentenversicherung — bis Mitte der 2030er-Jahre sollen rund 200 Milliarden Euro zusammenkommen. Was der Staat im Großen plant, können Privatanleger im Kleinen mit einem durchdachten Dividendendepot nachbilden.
Im MDAX finden sich dabei Renditen, die deutlich über dem DAX-Durchschnitt von rund drei Prozent liegen. Entscheidend ist aber nicht allein die Höhe der Ausschüttung, sondern ihre Verlässlichkeit. Ein Blick auf drei Kandidaten zeigt, wo die Chancen — und wo die Fallstricke liegen.
Evonik: Hohe Rendite, wachsende Unsicherheit
Die Dividendenrendite von rund 5,6 Prozent sieht auf dem Papier verlockend aus. Dahinter steckt jedoch eine frische Kürzung: Für das Geschäftsjahr 2025 erhalten Aktionäre nur noch 1,00 Euro je Aktie statt zuvor 1,17 Euro. Gravierender noch ist der strategische Schwenk. Künftig sollen 40 bis 60 Prozent des bereinigten Konzernergebnisses ausgeschüttet werden. Die Dividende wird damit zur variablen Größe.
Für das laufende Geschäftsjahr 2026 müssen sich Anleger auf eine nochmals niedrigere Ausschüttung einstellen. Die Planbarkeit, die gerade für ein Rentendepot essenziell ist, leidet darunter erheblich.
Die jüngsten Quartalszahlen spiegeln das schwierige Umfeld wider. Im ersten Quartal sank der Umsatz im Jahresvergleich um neun Prozent, der operative Gewinn fiel um 15 Prozent. Die Gewinnprognose für das Gesamtjahr bestätigte das Management gleichwohl — mit einem bereinigten EBITDA zwischen 1,7 und 2,0 Milliarden Euro bleibt der Korridor breit gefasst.
Die Aktie notiert bei 18,02 Euro und hat seit Jahresbeginn rund 35 Prozent zugelegt. Ein kräftiger Lauf, der den RSI auf 77,5 getrieben hat — technisch betrachtet ein überkauftes Niveau.
Die Analystengemeinde ist gespalten:
- Barclays stuft den Titel mit „Overweight“ ein, sieht das Kursziel bei 17 Euro
- Deutsche Bank und Jefferies bleiben bei „Hold“ mit Kurszielen um 15 Euro
Beide Lager liegen damit unterhalb des aktuellen Kursniveaus. Wer auf eine operative Erholung der europäischen Spezialchemie setzt, findet bei Evonik eine hohe laufende Rendite — muss aber mit spürbarer Volatilität und sinkenden Ausschüttungen rechnen.
DWS: Rekordgewinne und politischer Rückenwind
Ganz anders die Lage beim Vermögensverwalter. Die DWS hat das erste Quartal 2026 mit Rekordwerten abgeschlossen. Die Erträge stiegen um neun Prozent auf 821 Millionen Euro, das Konzernergebnis legte um 33 Prozent auf 264 Millionen Euro zu. Das verwaltete Vermögen durchbrach erstmals die Billionen-Marke und erreichte 1.093 Milliarden Euro.
Die vorgeschlagene Dividende für das Geschäftsjahr 2025 spiegelt diese Stärke wider: 3,00 Euro je Aktie, nach 2,20 Euro im Vorjahr. Bei einem Kurs von 59,40 Euro ergibt sich eine Rendite von gut fünf Prozent. Die Hauptversammlung am 3. Juni wird über die Ausschüttung abstimmen.
Strategisch positioniert sich die DWS für weiteres Wachstum. Nach dem Quartal unterzeichnete das Unternehmen eine Vereinbarung zum Erwerb einer 40-prozentigen Beteiligung an einer auf Alternative Investments spezialisierten Tochter von Nippon Life India Asset Management. Damit baut der Vermögensverwalter seine Präsenz in einem der am schnellsten wachsenden Anlagemärkte aus.
Der politische Rahmen spielt dem Geschäftsmodell zusätzlich in die Karten. Der Bundestag hat im März 2026 den Nachfolger der Riester-Rente auf den Weg gebracht — ein Reformschritt, der dem gesamten Fondsgeschäft langfristig Volumen bringen dürfte. Die DWS profitiert also strukturell von genau jenem Trend, der die Aktienrente als Konzept antreibt.
Analysten sehen ein durchschnittliches Kursziel von 66,87 Euro — ein Aufwärtspotenzial von rund 15 Prozent. Der RSI liegt mit 54,8 in einem neutralen Bereich, die Bewertung mit einem KGV von knapp 13 erscheint angesichts der Wachstumsdynamik moderat.
Ströer: Dividendenkürzung trifft auf Übernahmephantasie
Der Außenwerbekonzern sorgt derzeit für die meiste Aufregung im MDAX-Segment. Finanzinvestoren wie Blackstone und I Squared erwägen ein Übernahmeangebot. Eine Offerte im mittleren 40-Euro-Bereich je Aktie steht im Raum, die Bewertung könnte bei rund 2,5 Milliarden Euro liegen. Ursprünglich hatten die Investoren nur am Kernwerbegeschäft Interesse gezeigt — nun richtet sich der Blick auf das gesamte Unternehmen.
Die Nachricht trieb den Kurs zwischenzeitlich um bis zu 7,4 Prozent nach oben und führte zur vorübergehenden Aussetzung des Xetra-Handels. Aktuell notiert die Aktie bei 38,50 Euro. Der RSI von 84,6 signalisiert eine deutliche Überhitzung.
Für Dividendenanleger gibt es allerdings auch eine Kehrseite. Die Ausschüttung wurde von 2,30 Euro auf 1,85 Euro je Aktie gekürzt. Der Ex-Tag liegt am 4. Juni, die Auszahlung erfolgt am 8. Juni 2026. Trotz der Kürzung ergibt sich eine Dividendenrendite von knapp 4,8 Prozent.
Die Situation ist damit zweigeteilt:
- Kurzfristig bietet das Übernahmeszenario erhebliche Kursphantasie — ein Angebot im mittleren 40-Euro-Bereich läge deutlich über dem aktuellen Niveau
- Langfristig fehlt Klarheit über die Ausschüttungspolitik nach einer möglichen Transaktion
- Organisatorisch stellt Ströer parallel den Vorstand neu auf
Eine Garantie für ein tatsächliches Angebot gibt es nicht. Anleger mit Fokus auf Dividendenkontinuität sollten die weitere Entwicklung genau verfolgen, bevor sie den Titel als verlässlichen Rentenbaustein einplanen.
Drei Profile, ein Ziel — welcher Baustein passt?
Alle drei MDAX-Titel liefern Renditen oberhalb von vier Prozent. Die Qualität dieser Renditen unterscheidet sich jedoch grundlegend.
Bei Evonik und Ströer haben Anleger jüngst Kürzungen hinnehmen müssen. Die Dividende von Evonik wird mit der neuen dynamischen Ausschüttungspolitik zur Wundertüte. Ströers Zukunft hängt maßgeblich davon ab, ob die Übernahmeinteressenten Ernst machen — oder ob der Kurs nach dem Abflauen der Spekulationen wieder unter Druck gerät.
Die DWS hebt sich ab. Steigende Gewinne, eine deutliche Dividendenerhöhung und ein Geschäftsmodell, das vom politisch gewollten Ausbau der kapitalmarktgestützten Altersvorsorge direkt profitiert — das ist unter den drei Kandidaten das rundeste Profil für ein Rentendepot.
Die Lücke zwischen gesetzlicher Rente und gewünschtem Lebensstandard bleibt bestehen, auch wenn das Generationenkapital ab Mitte der 2030er-Jahre greift. Ein privates Dividendendepot, das verschiedene Sektoren und Ausschüttungsprofile kombiniert, ist nach wie vor der solideste Weg zur eigenverantwortlichen Altersvorsorge mit Aktien. Bei der Zusammenstellung lohnt es sich allerdings, genau hinzuschauen — nicht jede hohe Rendite hält, was sie auf den ersten Blick verspricht.
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