Evonik hält an seiner eigenständigen Ausrichtung fest: Der Vorstand hat gestern Verhandlungen mit BASF über ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot abgelehnt. Zugleich bietet er einen rein informativen und vertraulichen Austausch an. Damit zieht Evonik eine klare Grenze zwischen einem Informationsgespräch und Verhandlungen über eine Übernahme. Die Absage richtet sich gegen Letzteres, nicht gegen jeden Kontakt.
Klare Grenze für Gespräche mit BASF
Nach Angaben von Evonik hatte BASF sein Interesse am 22. Oktober schriftlich mitgeteilt. Der Vorstand stellt dem die eigene strategische Ausrichtung gegenüber. Sein Gesprächsangebot ändert deshalb nichts an der Entscheidung, keine Übernahmeverhandlungen aufzunehmen.
BASF reagierte laut Reuters gestern mit Unverständnis auf die Absage. Das Unternehmen bezeichnete sein Angebot von 24,00 Euro je Evonik-Aktie als attraktiv. Die Erhöhung der Offerte vor gut einer Woche hatte damit bislang nicht den gewünschten Zugang zu Verhandlungen eröffnet.
Für Anleger ist diese Unterscheidung wesentlich: Die Bereitschaft zum vertraulichen Austausch ist keine Zusage zu einem Übernahmeprozess. Ebenso wenig bedeutet die Ablehnung von Verhandlungen einen vollständigen Abbruch des Kontakts. Beide Seiten halten damit an unterschiedlichen Positionen fest.
BASF-Chef Markus Kamieth warb am Mittwoch erneut für einen Zusammenschluss. Zugleich erklärte er, BASF werde keinen überhöhten Preis zahlen. Damit steht Evoniks Beharren auf Eigenständigkeit einer ebenfalls klar begrenzten Zahlungsbereitschaft gegenüber.
Eigene Pläne reichen über die Abwehr hinaus
Zur strategischen Gemengelage gehört auch ein möglicher eigener Zukauf. Reuters berichtete am 22. Oktober unter Berufung auf Insider, Evonik prüfe eine Übernahme des US-Wettbewerbers Ashland. Evonik sei einer von mehreren Interessenten. Beide Unternehmen äußerten sich dem Bericht zufolge zunächst nicht.
Eine bestätigte Transaktion ist das nicht. Der Bericht beschreibt eine mögliche zusätzliche Handlungsoption für Evonik, während BASF seinerseits einen Zusammenschluss anstrebt. Für die Einordnung bleibt deshalb wichtig, zwischen geprüften Möglichkeiten und feststehenden Entscheidungen zu unterscheiden.
Auch die Tochtergesellschaft Syneqt verfolgt eine eigene Perspektive. Laut Reuters erklärte sie am Dienstag, ihre Eigenständigkeit sei strategisch sinnvoll. Die rund 3.500 Arbeitsplätze seien nicht in Gefahr. Evonik plane, den Verkaufsprozess im kommenden Jahr zu starten.
Quartalsmitteilung als nächster Termin
Für den 3. November 2026 hat Evonik die Berichterstattung zum dritten Quartal 2026 angekündigt. Damit steht neben der Übernahmedebatte ein konkreter Termin für die Beurteilung der Geschäftsentwicklung an.
Die zentrale Botschaft der jüngsten Vorstandsentscheidung bleibt unterdessen eindeutig: Evonik will seinen eigenen Kurs verfolgen. Der angebotene Informationsaustausch lässt einen Kontaktkanal zu BASF offen, ersetzt aber keine Verhandlungsbereitschaft. Anleger sollten diese beiden Ebenen nicht gleichsetzen.
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