Im Ringen um die Zukunft des Spezialchemiekonzerns Evonik wächst der Druck auf den größten Anteilseigner. Michael Vassiliadis, Chef der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE), hat heute in einem internen Schreiben an die Betriebsräte von Evonik und BASF einen vollständigen Ausstieg der RAG-Stiftung infrage gestellt. Der Gewerkschaftsvorsitzende verlangte von der Stiftung rasche Antworten zu ihren Absichten.
Widerstand gegen kompletten Anteilsverkauf
Hintergrund des Vorstoßes ist die anhaltende Debatte über die Eigentümerstruktur des Essener Chemiekonzerns. Vassiliadis wandte sich direkt an die Arbeitnehmervertreter beider Unternehmen, um Vorbehalte gegen einen möglichen Rückzug der Stiftung zu formulieren. Die RAG-Stiftung hält eine maßgebliche Beteiligung an Evonik, um mit den Erträgen die Ewigkeitslasten des deutschen Steinkohlebergbaus zu finanzieren.
Der Vorstoß der Gewerkschaft reiht sich in eine intensive politische Debatte in Nordrhein-Westfalen ein. Dort hatte die Landespolitik zuletzt unterschiedliche Positionen zu einer Sicherung der Eigenständigkeit bezogen. Während Wirtschaftsministerin Mona Neubaur von einem engen Austausch des Landes mit Evonik sprach, lehnte die FDP-Fraktion im Düsseldorfer Landtag staatliche Beteiligungsmodelle strikt ab.
Spekulationen stützen das Kursniveau
Die Diskussionen um die Eigentümerstruktur folgen auf das Übernahmeinteresse von BASF an Evonik von vor gut einer Woche; seither hat das Papier um 3,8 Prozent zugelegt.
Seinerzeit hatte Evonik eine unverbindliche Ansprache durch den Ludwigshafener Konzern für sämtliche Anteile bestätigt, zugleich aber erklärt, dass keine Verhandlungen stattfänden. Laut Reuters wies Evonik einen ersten Vorstoß über 10,3 Milliarden Euro beziehungsweise rund 22,15 Euro je Aktie als zu niedrig zurück.
Am Aktienmarkt sorgt die Gemengelage weiterhin für ein hohes Kursniveau. Im heutigen Handel legte die Evonik-Aktie um 1,0 Prozent auf 21,06 Euro zu. Damit notiert das Papier nur knapp unter dem heutigen 52-Wochen-Hoch von 21,26 Euro.
Die Analysten von Berenberg hatten das Papier am 6. Oktober von „Sell“ auf „Hold“ hochgestuft und ihr Kursziel von 15,50 auf 20 Euro angehoben. Das Bankhaus begründete die Anpassung damit, dass das BASF-Interesse den Kurs nach unten absichere.
Operative Zwischenbilanz steht an
Neben den strategischen Eigentümerfragen richtet sich das Augenmerk der Marktteilnehmer auf die operative Entwicklung der Spezialchemie. Das Unternehmen hat die Veröffentlichung der Geschäftszahlen für das dritte Quartal 2026 für den 3. November angekündigt. Diese Zwischenbilanz dürfte zeigen, wie sich die Nachfrage in den Kernmärkten des MDAX-Konzerns zuletzt entwickelt hat.
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