Evonik zieht bei seinem Konzernumbau die Zügel deutlich straffer als bislang bekannt. Über den bereits angekündigten Stellenabbau hinaus will sich der Spezialchemiekonzern nun auch von zwei kompletten Geschäftseinheiten trennen. Die Aktie reagierte am Dienstagvormittag mit einem Kurssprung von fast fünf Prozent.
Verkauf von Oxeno und Syneqt angekündigt
Übergangschef Claus Rettig ließ bei der Vorstellung der Strategieklausur keinen Zweifel an der Marschrichtung. Von den Sparten Oxeno und Syneqt mit zusammen rund 4.300 Beschäftigten will sich Evonik trennen. „Es ist klar, dass es in beiden Fällen zum Verkauf kommen wird“, sagte Rettig. Für Oxeno laufen demnach bereits Gespräche mit Investoren, bei Syneqt steht dieser Schritt noch aus.
Hinzu kommt die Entscheidung, das Polyester-Geschäft mit einem Jahresumsatz von etwa 150 Millionen Euro komplett einzustellen. Der Konzern ordnet damit sein Portfolio konsequent nach strategischer Bedeutung neu — Randgeschäfte fallen weg, das Kerngeschäft soll geschärft werden.
Sechs Standorte werden neu aufgeteilt
Die sechs großen deutschen Produktionsstandorte sollen künftig klarer auf bestimmte Aufgaben spezialisiert werden, statt wie bisher parallele Kapazitäten vorzuhalten. Rettig begründete den Schritt mit der Lage der gesamten Branche: „Wir befinden uns in einer strukturellen und ökonomischen Krise unserer Industrie.“
Der Stellenabbau selbst ist kein neues Kapitel, sondern die Bestätigung bereits im Juni skizzierter Pläne. Weltweit sollen 3.200 Arbeitsplätze wegfallen, davon 2.150 in Deutschland — zusätzlich zu den rund 2.800 Stellen, die laufende Sparprogramme bis Ende 2026 bereits kosten.
Der neue Abbau soll bis 2029 ohne betriebsbedingte Kündigungen erfolgen, über Abfindungen, frühere Ruhestandsregelungen und den Verzicht auf Nachbesetzungen. Ende 2025 beschäftigte Evonik konzernweit 31.053 Menschen, knapp 900 weniger als ein Jahr zuvor.
Finanzielle Details zu den erwarteten Einspareffekten nannte das Unternehmen bislang nicht. Wachstumspotenzial sieht der Konzern vor allem in Asien und Amerika, wo weitere Investitionsprojekte geprüft werden. Ob und wann die Verkäufe von Oxeno und Syneqt abgeschlossen werden, hängt nun vom Fortgang der Investorengespräche ab.
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