Starkes operatives Geschäft, roter Strich unter der Bilanz: Evonik hat im dritten Quartal vom Preisanstieg in der Branche profitiert, zugleich aber eine milliardenschwere Sparrunde verlängert. Das Unternehmen warnt, dass der Rückenwind bereits nachlässt.
Preise treiben das operative Ergebnis
Das bereinigte Ebitda stieg um 40 Prozent auf 629 Millionen Euro. Analysten hatten im Schnitt mit rund 633 Millionen gerechnet, die Zahl lag also im Rahmen. Der Umsatz wuchs um 13 Prozent auf 3,83 Milliarden Euro, getragen vor allem von höheren Preisen. Die Mengen legten nur leicht zu.
Hintergrund ist der Iran-Krieg. Asiatische Wettbewerber leiden stärker unter den Folgen, europäische Chemiefirmen konnten ihre Verkaufspreise anheben. Die bereinigte Marge kletterte auf 16,4 Prozent, nach 13,2 Prozent im Vorjahresquartal.
Zwischen den Sparten fiel das Bild gemischt aus. Advanced Technologies übertraf mit einem Ergebnisplus von 87 Prozent auf 377 Millionen Euro die Erwartungen. Custom Solutions verfehlte mit 231 Millionen Euro die Konsensschätzung von 252 Millionen. Infrastructure steigerte sich um 48 Prozent auf 80 Millionen Euro.
Nettoverlust trotz Gewinnsprung
Unter dem Strich steht ein Minus von 53 Millionen Euro, nach einem Verlust von 106 Millionen im Vorjahr. Hauptgrund sind 313 Millionen Euro Restrukturierungskosten.
Evonik verlängert das Programm Evonik Tailor Made: Zwischen 2027 und 2029 sollen weitere 3.200 Stellen wegfallen, zusätzlich zu den 2.800 bereits geplanten Streichungen bis 2026.
Der bereinigte Überschuss fiel dagegen mit 330 Millionen Euro deutlich besser aus als die erwarteten 260 Millionen. Das bereinigte Ergebnis je Aktie lag bei 0,71 Euro. Wertberichtigungen von 264 Millionen Euro, vor allem im Care-Geschäft, glichen Zuschreibungen auf Tierernährungs-Anlagen teilweise aus.
Ausblick: Rückenwind schwächt sich ab
Die Prognose präzisiert der Konzern. Ein bereinigtes Ebitda in der oberen Hälfte der Spanne von 2,0 bis 2,2 Milliarden Euro gilt nun als wahrscheinlich. Die Erwartung für die Kapitalrendite hebt Evonik an: Sie soll deutlich über den 6,1 Prozent des Vorjahres liegen.
Die günstigen Marktbedingungen dürften im Jahresverlauf weiter nachlassen. In der Tierernährung sanken die Preise leicht, bis Jahresende erwartet Evonik einen weiteren Rückgang, allerdings langsamer als noch im Sommer gedacht. Das Angebot asiatischer Konkurrenten wächst, jedoch weniger stark als befürchtet.
Der Cashflow stützt die Zahlen. In den ersten neun Monaten stieg der freie Cashflow auf 601 Millionen Euro, die Nettofinanzschulden blieben mit 3,29 Milliarden Euro nahezu unverändert.
Im Fokus der Anleger steht derzeit jedoch ein anderes Thema: die Übernahmebemühungen des Rivalen BASF. Evonik lehnt eine Akquisition aktuell ab, hat die Tür für Gespräche aber offen gelassen. Die Aktie schloss am Vortag bei 20,74 Euro.
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