Evonik rechnet mit einem guten Start ins Jahr 2027. Finanzvorstand Michael Rauch verwies heute laut Reuters auf gut gefüllte Auftragsbücher und eine gesunde Nachfrage zum Jahresende. Konkrete Ziele für das kommende Jahr nannte er nicht. Die Zuversicht steht zugleich unter einem Vorbehalt: Der Konzernumbau verursacht weiterhin erhebliche Belastungen.
Nachfrage gibt Rückenwind
Für das vierte Quartal 2026 erwartet Evonik trotz saisonal niedrigerer Absatzmengen ein höheres Ergebnis als im Vorjahresquartal. Rauch sieht damit eine Grundlage für einen soliden Jahresauftakt. Nach Angaben von Chemweek erwartet der Finanzvorstand im ersten Quartal 2027 ein deutlich besseres Ergebnis als im entsprechenden Vorjahreszeitraum.
Für Anleger ist diese Einschätzung mehr als ein Rückblick auf die jüngste Geschäftsentwicklung. Sie richtet den Blick auf die Frage, ob die Erholung über den Jahreswechsel hinaus trägt. Gute Auftragsbücher sprechen aus Sicht des Unternehmens dafür. Eine bezifferte Ergebnisprognose für das kommende Geschäftsjahr ersetzen sie allerdings nicht.
Für 2026 hält Evonik ein bereinigtes EBITDA in der oberen Hälfte der Spanne von 2,0–2,2 Mrd. € für wahrscheinlich. Nach Angaben von dpa-AFX erwarten Analysten im Durchschnitt bereits das obere Ende dieser Bandbreite.
Die optimistischere Einschätzung des Unternehmens trifft damit auf bereits anspruchsvolle Erwartungen. Für eine weitere positive Neubewertung dürfte entscheidend sein, ob Evonik die angekündigte Verbesserung auch tatsächlich in Ergebnisse umsetzt.
Sparprogramm belastet den Übergang
Dem operativen Rückenwind stehen weitere Umbaukosten gegenüber. Laut Reuters erwartet Evonik im vierten Quartal 2026 eine zusätzliche Belastung im hohen zweistelligen Millionenbereich durch Rückstellungen für die Restrukturierung.
Diese Aufwendungen begrenzen zunächst den Nutzen der besseren Geschäftsentwicklung für das ausgewiesene Ergebnis. Der Umbau ist deshalb zugleich Belastungsfaktor und Teil des Versuchs, die künftige Ertragskraft zu verbessern.
Das Sparprogramm wurde bis 2029 verlängert. Weltweit sollen dabei 3.200 Stellen wegfallen. Der Zeitrahmen zeigt, dass Evonik die Anpassungen nicht mit dem laufenden Geschäftsjahr abschließen wird.
Für die Beurteilung des Konzerns müssen Anleger daher zwischen operativer Entwicklung und Restrukturierungsfolgen unterscheiden. Ein stärkeres laufendes Geschäft bedeutet nicht automatisch, dass die Umbaukosten bereits überwunden sind.
Verkäufe sollen den Umbau voranbringen
Parallel arbeitet Evonik an Veränderungen des Portfolios. Der Verkauf von Oxeno läuft nach Unternehmensangaben planmäßig; ein Käufer soll in den kommenden Monaten bekanntgegeben werden. Für einen möglichen Verkauf von Syneqt haben die Vorbereitungen begonnen. Einen Abschluss dieser Vorhaben hat Evonik nicht angekündigt.
Damit hängt der weitere Fortschritt nicht allein an der Nachfrage. Auch die Umsetzung der geplanten Verkäufe und die finanzielle Wirkung der Sparmaßnahmen gehören zu den entscheidenden Aufgaben.
Für 2026 erwartet Evonik einen freien Mittelzufluss von rund 850 Mio. €. Daran wird sich mitmessen lassen, wie viel finanziellen Spielraum das Geschäft während des Umbaus schafft. Die guten Auftragsbücher liefern Rückenwind – belastbar wird die Perspektive durch ihre Umsetzung in Ertrag und Liquidität.
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